Sneak-Review #216: Nope

Sneak-Review #216: Nope

Der neuste Film von Oscar-Preisträger Regisseur Jordan Peele „Nope“ ist nicht eine Parodie einer anderen Welt (no pun intended),der Film spiegelt eine Realität wieder, die nicht einfach zu fassen ist. Zwischen trainierten Pferden und einem Affen, der Star einer Fernsehsitcom ist, baut Peele ernsthaft Ufos in die Geschichte ein. Das funktioniert aber reibungslos. 

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OJ Haywood (Daniel Kaluuya), geboren in eine Familie, die Pferdezüchtung für Hollywoodfilme betreibt, versuchte immer seinen Vater stolz zu machen. Als ernste und zurückhaltende Person hat er zuverlässig seine Aufgaben erledigt. OJs ziellose Schwester, Emerald Haywood (Keke Palmer), ist im Gegensatz extrovertiert. Eines Tages entdeckten sie eine bewegungslose Wolke über der Ranch, die sie neugierig macht. Die Pferde verhalten sich komisch und allmählich passieren immer mehr außergewöhnliche Ereignisse, die die Geschwister besorgt machen.

Em entscheidet sich bei ihm zu bleiben, um ihn zu unterstützen. Sie können anfangs nicht glauben, dass ein außerirdisches Wesen dahinter stecken könnte. Jedoch lässt diese Wolke im Himmel Dinge verschwinden. Die Beiden und Angel (Brandon Perea), ein Mitarbeiter eines Elektrohandelgeschäfts installieren, wie es sich für das 21. Jahrhundert, der Ära der Technologie gehört Überwachungskameras. Trotz vieler Versuche bekommen sie keine Aufnahmen. Sie wollen nur noch einen Beweis für das Ding im Himmel finden. Die Suche nach dem perfekten Shot beginnt.

UFO oder Alien? Oder Beides?

Wie außerirdisches Leben erkannt wurde ist der Dreh des Films. Man hat ja das stereotypische Bild von Aliens im Kopf: weiß, schlank, größe Köpfe und schwarze Augen. Aber hier geht die Imagination weiter. Wir müssen sie nicht vollends sehen und verstehen, um zu begreifen, dass sie anders als Menschen aussehen und handeln. Ihr grausames Handeln ist hier genug, um Nope! sagen zu können. Das Raumschiff ist besonders an Lebewesen interessiert und noch mehr, wenn sie rennen können. In diesem Fall sind Pferde der Hauptgang und dafür OJs Hof ein Feinkostrestaurant.  OJ, Em und Angel haben viel Angst davor, was dieses Wesen anrichten kann und versuchen nicht zu verzweifeln. So zum Beispiel als es aus der Wolke nur auf OJs Haus regnet und 3 Meter weiter kein Tropfen fällt.  

Unsere drei Protagonisten entwickeln sich von skeptisch zu angetrieben davon das erste Bild eines Ufos zu machen. Der Film baut darauf auf. OJs entspannter Charakter und seine Reaktionen auf die Erlebnisse entspannen die Zuschauer und lockert die Stimmung auf. In 120 Minuten schafft der Film es den Zuschauern Gänsehaut und gnadenlosen Angstschweiß zu bereiten. Manche Szenen bauen die Spannung durch ruhige Momente auf, wie zum Beispiel wenn die Kameras bereit sind, aber nichts passiert oder wenn OJ alleine im Dunkeln seine Pferden sucht. Die Pferde sind Indikator der Anspannung, wenn sie sich komisch verhalten und wegrennen. OJ hat die seltsame Wolke erst durch Stromausfälle erkannt. Der Hauptkampf ist aber letztendlich einer gegen die Realität, denn sie wollen, dass der Rest der Welt glaubt, was dort im Himmel lebt und was es schaffen kann. Deswegen ist der Versuch für ein akzeptables Foto viel bedeutender als gedacht für sie.

Die hohe Hürde des Debüts

Es handelt sich um ein Glücksspiel. OJ und die anderen wollen den money shot und riskieren ihr Leben. Viele andere Filme haben Ähnliches gezeigt, aber hier wird es nie langweilig. Der Film wechselt zwischen den Geschichten von Gordy, dem Hollywood-Affen und der Zukunft auf dem Pferdehof. Die Paralellgeschichte von Gordy ist ein wertvoller Teil. Niemand erwartet, dass Gordy nicht wertvoll für die Show sein kann, bis er einmal die Kontrolle verliert. Blut und das typische Sitcom-Lachen im Hintergrund gehen Hand in Hand. Warum es dazu kam, weiß aber niemand.

Nach dem Erfolg von „Get Out“ (2017) hatte Peele eine größe Hürde zu überwinden. Eine Ufojagd als Filmthema muss mit einer Pinzette in der Regie angefasst werden. Ein falscher Schritt und die Zuschauer*Innen lachen vor Mitleid über die absurde Darstellung. Jordan Peele schafft aber eine gelungene Darstellung. Die Produktion, Photografie und die Rollenbesetzung stimmen. Das alles hat die Sucht der Gesellschaft nach Tragik und Unterhaltung gut geschildert. Man denkt, alles kontrollieren zu können und am Ende werden uns unsere Schwächen aufgezeigt – gerade im Bezug auf Unterhaltungsmedien.

Der Film besteht aus Elementen von Kömodien, Thrillern und einem Horrorfilm. Viele Fragen sind offen geblieben, aber es gibt eine Konstante: die Erbschaft. Die Haywoods waren die Ersten im Pferdebusiness für Hollywood. Bei der Jagd nach dem Ufo trieb sie auch immer wieder an, dass sie die ersten seien könnten, die das Ufo erwischen. Dieser Ehrgeiz hat sogar einen berühmten Fotografen (Michael Wincott) in ihr Team geholt.

In God We Trust, alle anderen brauchen Beweise

Peele hat schon in „Get Out“ (2017) seine innovativen Ideen gezeigt. Mit viel Auge für Details erschaffte er eine beeindruckende Geschichte. Hat Nope das auch geschafft? Es gibt viele Elemente die sich verbinden, zum Beispiel, die Erbschaft von OJs Familie, die Sucht nach Perfektion und Trauma nach einer Fernsehtragödie. Die Suche nach einem perfekten Bild macht die Protagonisten süchtig und in dem ganzen Kameraspiel, das OJ und Co. treiben, sehen wir, dass Menschen viel dafür aufbringen können. Peele schafft eine bemerkenswerte Verbindung von der Geschichte von Gordy in der Handlung setzt mit der Kameraarbeit, die die Hölle auf der Pferdranch zeigt ein Ausrufezeichen.

„Nope“ erscheint am 11. August in deutschen Kinos.

Foto: Jordan Peele/ Universal Pictures

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