Moop Mama: „Es gibt sicher auch Arschlöcher unter Katzen und Hunden.“

Moop Mama: „Es gibt sicher auch Arschlöcher unter Katzen und Hunden.“

Moop Mama haben Liebe für dich. Natürlich nur, sofern du kein „whack“ MC oder ein Becks Green Lemon bist. Wie heiß diese Liebe für ihre Fans ist, hat die zehnköpfige Brassformation das Publikum am 14.04. bei ihrer ausverkauften Show im KFZ fühlen lassen. PHILIPP hat sich nach dem Konzert mit Frontmann Keno getroffen, um mit ihm über das neue Album, Gesellschaftskritik und seine Katzenallergie zu sprechen.

PHILIPP: Erst neulich kam euer Video zu einem eurer neuen Songs „Lösch das Internet“. Was ist denn – wenn ihr es nicht löscht – euer Lieblingsort im Netz?

Keno: Unser allgemeiner Lieblingsort im Internet… Ich glaube, das kann ich jetzt nur für mich persönlich beantworten. (überlegt) Also mein Lieblingsort im Internet ist tatsächlich mein E-Mail-Postfach, da halt ich mich am meisten drin auf. Da hoffe ich immer, dass was Neues angekommen ist. Die Internetsucht, die uns alle wahrscheinlich umtreibt, die treibt mich auch um, deshalb muss ich da immer schön auf „aktualisieren“ klicken.

Also Facebook ist nicht so deins?

Doch, Facebook leider auch. Deswegen muss es ja auch weg, das scheiß Internet. Es soll uns in Ruhe lassen.

Und wenn’s dann weg wäre, was würdest du vermissen?

Ihr solltet euch die Southpark-Folge anschauen, wo das Internet weg ist, das ist ziemlich crazy. Die drehen alle komplett durch und ich glaube, wir würden auch ziemlich durchdrehen, wenn wir plötzlich wieder nach Straßen fragen müssten… Mir geht’s mittlerweile ja sogar schon so, dass wenn ich zuhause rumlauf‘ und in meiner Wohnung irgendwas verlegt hab‘, dann denk‘ ich kurz, ok, das muss ich jetzt googlen. Aber das hat man leider noch nicht erfunden. Also wenn sie das erfinden, dann… Das ist gleich hinter Beamen meine Lieblingserfindung.

In einem eurer neuen Songs geht’s darum, dass ihr reif für die Insel seid. ‚Ne ganz klassische Frage, was gehört denn auf so ’ne einsame Insel, was müsste Moop Mama mitnehmen?

Also ich würde versuchen, die Band definitiv nicht auf die einsame Insel mitzunehmen (lacht). Also wenn schon einsam, dann auch wirklich einsam.

Also eher ganz ohne irgendwas?

Ja, also dieses Inselding ist natürlich auch so ein Bild. Es heißt in dem Song auch „Eine einsame Insel, doch jeder ist sich selbst seine Insel, seine eigene, einsame Insel“. Das heißt, ich sprech‘ mehr davon, dass man immer nach einem Ort sucht, oder man denkt immer, man könnte irgendwo hingehen und irgendwas finden, wo alles cool und perfekt ist und am Ende merkt man, dass man das nur in sich selber finden kann. Und so ist es eigentlich eher gemeint, dass man ständig was vermisst und auf der Suche ist, aber wenn man sich in sich selber wohlfühlt, kann man eigentlich überall sein, dann ist das egal.

Hat das einen spirituellen oder philosophischen Hintergrund, wenn du sowas schreibst?

Ja, philosophisch würde ich schon sagen. Das Gefühl kennt wahrscheinlich jeder, oder? Also mir geht’s so, dass ich manchmal so ein Gefühl habe, dass ich mich einfach zu Hause fühle, egal wo ich bin und einfach mit mir zufrieden bin. Und dann gibt’s Zeiten, in denen man die ganze Zeit denkt, einem fehlt irgendwas. Das ist ein sehr allgemeines Gefühl, das jeder kennt und das hat in dem Song Ausdruck gefunden.

Ja und wenn du jetzt so über Wohlsein und Zufriedensein sprichst, was wäre denn Erfolg für euch? Also ihr geht ja schon einen alternativen Lebensweg.

Wir wollen gerne in so ner Hütte leben (lacht). Nee, also es gibt ganz viele Arten von Erfolg. Ich meine, gerade Moop Mama ist ein Beispiel, dass Erfolg sehr vielschichtig ist. Seit wir angefangen haben, sind wir immer voran gekommen und wir sind immer diese Band geblieben, die wir zu Beginn waren. Es gibt bloß einen Menschen, der mal aus der Band ausgestiegen ist, sonst sind wir immer die gleichen geblieben und gewachsen. Wir haben außenrum auch eine größere Familie, die noch das Team drumherum bildet. Da waren sehr viele Erfolge auf dem Weg, die uns immer wieder motiviert haben, weiter zu machen. Die sind aber ganz unterschiedlich.

Und zwar?

Mal ist es ein neuer Song, den man super findet. Mal, weil man auf Tour geht. Mal, weil man das erste Mal im Tourbus fährt. Gleichzeitig ist es so, trotz des Erfolgs und der vielen Leute, die unsere Musik mittlerweile hören, dass wir uns als zehnköpfige Band schwer tun, davon zu leben. Deshalb haben wir jetzt entschlossen, dass wir versuchen, unseren Erfolg selber zu schmieden und so viel wie möglich selber zu machen. Vom Label über die Grafik, darüber, dass wir unsere Sachen selbst basteln. Das macht uns vielleicht ein bisschen aus. Wir haben zu zehnt natürlich den Nachteil, dass der Kuchen immer durch zehn geteilt werden muss. Wir versuchen jetzt auch die Arbeit durch zehn zu teilen und die Kraft von zehn irgendwie einzusetzen und dann schauen wir mal, was noch so für Erfolge kommen.

Ja, gerade so etwas wie ein Label zu gründen, ist ja eigentlich ein krasser Schritt. Wie kommt ihr denn darauf, das zu machen?

Eigentlich ist es gar kein krasser Schritt mehr. Wir haben lange nach ’nem Label gesucht, haben geschaut, wo wir unter kommen könnten. Wir haben auch mit großen Firmen gesprochen, weil wir schon einen großen Schritt machen wollen mit der neuen Platte. Wir haben dann aber festgestellt, dass es überhaupt keinen Sinn macht, zu einem Label zu gehen, weil Labels überhaupt nichts können, außer Plakate aufhängen und sehr, sehr teure Kredite vergeben. Das ist einfach ’ne ökonomische Überlegung, dass wir uns das zu zehnt nicht leisten können und wollen und gesagt haben, hey, wir machen diese Arbeit lieber selbst. Das wird natürlich dann auf ’nem niedrigerem Niveau stattfinden. Also Moop Mama als Band hat nicht das Startkapital, um Bauzäune in ganz Deutschland mit dem neuen Album zu plakatieren, aber wir haben viele andere Fähigkeiten. Wir können Leute begeistern, so wie man’s heute auch gesehen hat. Da wenden wir uns jetzt auch an die Leute direkt und sagen hey, wenn ihr uns unterstützen wollt, bei dem was wir da machen, dann bestellt unser Album vor. Damit könnt ihr uns wirklich am meisten helfen.

Warum eigentlich Marburg? Also hat uns natürlich auch gefreut, aber hat uns auch gewundert.

Wir waren ja schon mehrmals hier. Und ich glaube, dass wir bei diesen drei Testshows jetzt hier gelandet sind, hat vor allem damit zu tun, dass wir im Festivalsommer sehr, sehr viel unterwegs sind und es nicht so viele Städte gab, wo wir noch hinfahren konnten.

Es war ja heute das erste Mal, dass ihr die neuen Songs live gespielt habt. Seid ihr soweit zufrieden?

Also ich bin total zufrieden. Ich fand die Reaktionen super… man weiß ja immer nicht, wie die neuen Songs ankommen. Kann ja auch sein, dass die Leute das nicht hören wollen. Es ist auch oft so, dass das Publikum gerne alte Sachen hören will und die Band lieber Neues spielen würde und dann passt das nicht ganz zusammen. Wir haben ziemlich viel vom neuen Album gespielt, aber auch ein paar alte Sachen und ich glaube, die Leute hatten echt Spaß und von den Reaktionen her war das ein guter Start.

Ja, es war echt krass, euch live zu sehen. Uns ist aufgefallen, wie gut ihr Hip-Hop-Beats nur mit Blasinstrumenten hin bekommt. Habt ihr da irgendwelche Vorbilder oder ist das Ganze einfach so entstanden?

Hip-Hop war schon immer ein großer Teil von dem was wir machen. Klar, wir sind musikalisch sehr vielseitig aufgestellt, aber Hip-Hop war schon immer ein zentrales Element, würde ich sagen. Hip-Hop-Beats mit einer Liveband zu spielen ist nicht einfach und deshalb funktioniert das jetzt so gut, weil wir mittlerweile so weit gewachsen sind, dass wir so gut zusammen funktionieren. Es gibt viele Bands, die Hip-Hop-Beats live total verkacken, weil sie vieles sehr, sehr funky spielen und das hat dann so dieses Live-Feeling, aber nicht mehr dieses exakte…

Diesen Wums…

Diesen Wums von ’ner produzierten Geschichte. Das können wir mittlerweile herstellen, weil wir so gut zusammenspielen. Weil wir einfach als Team gut trainieren, da wackelt nichts mehr.

Cool, hast du eigentlich wirklich eine Katzenallergie?

Ja, ich habe wirklich eine Katzenallergie (lacht).

Ist das schlimm für dich, wenn du eine süße Katze siehst?

Ehm, ne. Ich weiß nicht, ich bin nicht so der (überlegt), nein, ich habe kein großes Problem damit, wenn ich eine Katze nicht unbedingt streicheln kann. Also ich leide darunter nicht. Ich finde bei Tieren ist es so ähnlich wie mit Menschen. Ich finde nicht alle Tiere süß. Es gibt ja Menschen, die finden einfach alle Tiere süß. Bei mir ist das nicht so. Ich mag jetzt Hunde auch nicht im Allgemeinen…

So Schlüsselreizmäßig…

Ne, überhaupt nicht. Manche Hunde finde ich nett. Mit denen freunde ich mich dann an… Es ist wie manche Leute eben auch. Die haben einen Charakter und manche sind cool und es gibt sicher auch Arschlöcher unter Katzen und Hunden.

Sicherlich, unsere Nachbarskatze ist zum Beispiel so ein richtiger Creep. Nachts komme ich um die Ecke und sie starrt mich an, ich starre zurück und wir haben ein stilles Einvernehmen, dass wir uns beide nicht mögen.

Und dann hörst du so ganz leise während du die Wohnungstür aufschließt (singt) „I’m a creep, I’m a weirdo“ (lacht).

Deine Texte sind ziemlich gesellschaftskritisch. Engagierst du dich auch selber oder siehst du dich mehr als stiller Beobachter?

(Überlegt) Also ich bin jetzt kein Aktivist. Ich versuche, meinen Lebensalltag schon nach dem auszurichten, an was ich glaube und was ich gut finde. Wie ich mich im Alltag verhalte, wie ich einkaufe oder wie ich meinen Müll trenne. Das versuche ich schon zu etablieren. Aber ich sehe mich da nicht als den Zeigefinger-Typen, der auch den richtigen Weg kennt. Was mir beim Texte schreiben Spaß macht, ist viel zu beobachten… da gehört natürlich das Gesellschaftliche dazu. Es umgibt uns alle und beschäftigt uns sehr und deshalb bin ich froh, dass ich das auf diese Art und Weise ausdrücken kann. Beobachten ist da schon das zentrale Element: Beobachten und dann beschreiben.

Wir sind ja ein Unimagazin… deshalb zum Schluss noch unser Dauerbrenner: Habt ihr irgendwas studiert?

(lacht) Ja, die meisten von uns haben Musik studiert. Es gibt nur ein paar Ausnahmen. Einer von uns hat Produktdesign studiert und ich habe mal ein Medizinstudium angefangen und habe das dann wieder aufgegeben.

Mit bayerischem Abi?

In München, ja.

Wahnsinn… Brain!

Ja, also mit der Schule hatte ich nie so ein großes Problem, da war ich immer ganz gut.

Ein Bandkollege kommt in den Backstage-Raum. Er verabredet sich mit Keno zum Rauchen.

Dann wollen wir dich auch gar nicht länger blockieren… Danke für das Interview!

Danke für das Interesse.

INFORMACIONES „M.O.O.P.topia“ heißt das neue Album der zehnköpfigen Band und erschien gestern, am 27.05.2016. Hier könnt ihr es euch holen.

FOTOS: Luis Penner

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Ressortleiterin Kultur, studiert Sprache und Kommunikation. Als reiselustige Konzertgängerin singt und backt sie auch mal ganz gerne.