OB-Wahl-2015-Spezial #4: Elke Neuwohner (Bündnis 90/Die Grünen)

OB-Wahl-2015-Spezial #4: Elke Neuwohner (Bündnis 90/Die Grünen)

Marburg wählt! Und zwar eine*n neue*n Oberbürgermeister*in. Wer die Kandidat*innen sind, und mit welchen Floskeln und Wahlversprechen sie uns Studierende um den Finger wickeln wollen, könnt ihr in unserem OB-Wahl-Spezial nachlesen. Teil Vier unserer Reihe porträtiert Elke Neuwohner von Bündnis 90/die Grünen.

Frau Neuwohner, warum sollten Studierende gerade für Sie wählen gehen?

Warum Studierende für mich wählen sollen… hmm. Klar, Marburg ist eine Unistadt. Die Hälfte der Menschen, die hier wohnen, haben etwas mit der Universität zu tun und insofern, denke ich, ist die Aufgabe einer Oberbürgermeisterin die Infrastruktur in der Stadt so zu organisieren, dass diese den Bedürfnissen entspricht und dieses ist sicherlich zum Beispiel eine gute Verkehrsanbindung, der Radverkehr, wo wir als Grüne auch schon viele finanzielle Ressourcen investiert haben. Das ist ein Bereich, wo ich mir wünsche, dass noch viel passiert, wofür ich auch eintreten werde. Etwas, was für die Studierenden ebenfalls wichtig ist, ist die Verbindung zwischen Lahntal und Lahnbergen, besonders für Mediziner und Naturwissenschaftler, da wollen wir einen Radweg bauen. Eine andere grüne Idee, die wir haben, ist die Seilbahn, die man mit dem Semesterticket nutzen könnte und wo man insgesamt in nur 10 Minuten an den Bergen wäre. Ebenfalls ein für Studierende wichtiges Thema, für das ich mich einsetze, ist die Wohnsituation in Marburg. Wohnraum wird gebraucht. In der Gutenbergstraße soll ein neues Studentenwohnheim erbaut werden, des Weiteren muss man sich auch nochmal was für das Bettenhaus überlegen. Ein weiterer Punkt ist Kultur. Das Kulturprogramm muss noch viel weiter ausgebaut werden und auch die Feierkultur für junge Menschen.

Was meinen Sie denn genau mit Feierkultur?

Naja, das ergibt sich dann im Dialog, aber diesen Punkt würde ich definitiv ins Augenmerk nehmen. Ich habe hier selber studiert, war im AStA und im Studierendenparlament, aber klar die Zeiten ändern sich natürlich. Ich finde Feste wichtig, besonders zwischen Stadt und Mensch, Uni und Student. Zum Beispiel das Uni-Sommerfest, das hat auch mal pausiert. Ich finde gut, dass es das wieder gibt und als ich im AStA war, hatten wir ganz großartige AStS-Partys im Hörsaalgebäude über drei Etagen, die gibt’s nicht mehr, das finde ich total schade. Jede Etage hatte eine Bühne und Bands sind aufgetreten. Das waren tolle Feste! Klar die waren für Studis, aber da konnten ja auch Menschen von der Stadt hin. Gemeinsam feiern finde ich wichtig

Sie haben schon einige marburgerische Problemthemen angesprochen. Wie sieht es beispielsweise mit der Burschenschaft Germania, die rechten Strömungen allgemein, oder wenn man beim Feiern bleibt dem Marktfrühschoppen aus? Wie möchten Sie diese Themen angehen?

Ja, das mit dem Marktfrühschoppen ist schon lange ein grünes Thema gewesen. Wir haben immer wieder erwähnt, dass der Marktfrühschoppen auch eine Spielwiese für rechte Gedanken ist und es kann nicht sein, dass die Stadt Marburg dafür ihren zentralen Platz zur Verfügung stellt, das ist zum Glück dieses Jahr auch nicht so. Es gab immer ganz viele Ideen, das zu umgehen, wie ein Verbot oder dass die Stadt selbst ein Fest feiert. Man kann jetzt nicht verhindern, dass es in Marburg rechte Burschenschaften gibt, aber es ist wichtig, dass die Stadt diesen keinen Raum gibt. Das ist, denke ich, auch die Aufgabe einer Oberbürgermeistern, mit den Beteiligten in ein klärendes Gespräch zu gehen, alleine um zu erfahren, wie deren Demokratieverständnis aussieht. Das sind so die wesentlichen Möglichkeiten. Ich bin total froh, dass es den Marktfrühschoppen dieses Jahr nicht gibt und sich zerschlagen hat, dass es einfach in sich nicht funktioniert. Wie gesagt, gemeinsam feiern ist wichtig, aber nicht mit rechten Burschenschaften.

Um zurück zur Infrastruktur zu kommen: Sie haben sich für die Seilbahn ausgesprochen. Können Sie ihren Standpunkt begründen?

Es ist so: Ich glaube, dass die Seilbahn ein cleveres Projekt ist, um Lahntal und Lahnberge zu verbinden. Sie soll ein Teil vom öffentlichen Personennahverkehr werden, also ergänzend zu den Bussen. Man kann sein Fahrrad mitnehmen und oben den Berg runter radeln oder direkt vom Hörsaalgebäude nach oben fahren zum Klinikum. Von der Zeitersparnis ist das unschlagbar, da kommen Busse einfach nicht mit. Des Weiteren ist die Seilbahn leise, macht keinen Dreck, hat keine Abgase, aber ich kann mich da nur für einsetzen, wenn klar ist, dass der Bund mindestens 90 Prozent der Kosten übernimmt. Also der Bund muss das zahlen, die Stadt kann das nicht und auch nur wenn klar ist, dass die Mehrheit der Bevölkerung das auch will. Ich halte das für ein gutes Projekt, aber man muss sich dafür begeistern können. Wir haben gute Argumente, aber wenn die Bevölkerung das nicht will, dann halt nicht.

Was unterscheidet Sie von den anderen Kandidat*innen?

Also ich trete für einen anderen Politikstil ein, ich kenne die anderen Kandidat*innen ja nicht so gut, aber mein Stil ist eher ein Miteinander und nicht konfrontativ. Also ich bin schon eher jemand, der gemeinsam diskutiert und gemeinsam entscheidet. Ich bin auf jeden Fall eher kooperativ. Ein weiterer großer Unterschied liegt in der energetischen Sanierung und Klimaschutz. Des Weiteren bin ich schon sehr lange Stadtverordnete. Ich begleite die Kommunalpolitik schon seit 14 Jahren. Ich arbeite an der Uni, bin aber auch selbstständig, habe eine eigene Praxis und kenne so natürlich auch die Belange meiner Mitarbeiter*innen und habe gleichzeitig auch ´ne große Familie, über die ich in Marburg gut vernetzt bin.

Ist Familie und Beruf denn schwer mit dem Wahlkampf unter einen Hut zu bringen?

Das ist schon eine große Aufgabe, auch innerhalb der Familie. Wir müssen ein bisschen umschichten. Es beschäftigt einen gedanklich auch sehr viel, aber gleichzeitig ist das auch für unsere Kinder und deren Freunde eine große Chance, mal zu lernen, wie das mit Kommunalpolitik eigentlich funktioniert. Es ist ein zeitraubendes Projekt, aber man hat immer was, worüber man sich abends unterhalten kann!

Wir kommen jetzt auch schon zu der letzten Frage: Wie sieht ein perfekter Tag in Marburg für Sie aus?

Mein perfekter Tag fängt morgens mit zwei Tassen Kaffee an und zwei Zeitungen. Dann bringe ich meine kleine Tochter in die Kita, dann arbeite ich. Ich bin Landärztin, das ist ein großartiger Job und man lernt so viele Menschen kennen, das mache ich gerne. Nachmittags bin ich daheim, im Garten, auf jeden Fall irgendwie aktiv. Um sieben essen wir alle zusammen lecker, warm und selbst gekocht und abends dann in’s Kino und dann in eine Bar.

Vielen Dank für das Gespräch!

FOTOS: Promo (Thomas Spieß, Dirk Bamberger, Elke Neuwohner, Jan Schalauske), Luis Penner (Marius Beckmann), Leonie Ruhland (Rainer Wiegand)

22, autor, studiert kunst, musik und medien - roses are red, grass is greener, when i think of you i play with my wiener

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