OB-Wahl-2015-Spezial #3: Marius Beckmann (Die Partei)

OB-Wahl-2015-Spezial #3: Marius Beckmann (Die Partei)

Marburg wählt! Und zwar eine*n neue*n Oberbürgermeister*in. Wer die Kandidat*innen sind, und mit welchen Floskeln und Wahlversprechen sie uns Studierende um den Finger wickeln wollen, könnt ihr in unserem OB-Wahl-Spezial nachlesen. In Teil Drei unserer Reihe spricht heute Marius Beckmann, Kandidat für die PARTEI.

PHILLIP: Marius, du bist 26 Jahre alt und kandidierst als Oberbürgermeister. Wie kommt’s, dass sich ein so junger Mensch wie du für Politik einsetzt und interessiert?

Marius Beckmann: Das habe ich mich auch schon länger gefragt. Aber gut, ich bin schon seit sechs Jahren hier in Marburg und mache auch schon seit fünf Jahren Hochschulpolitik. Der Schritt, mich 2013 in der PARTEI zu engagieren, war dann nur ein logischer: Es waren Landtags- und Bundestagswahlen und ich wollte am Sturz von Volker Bouffier mitwirken. Deshalb bin ich auch schon zur Bundestags- und Landtagswahl angetreten. Dass ich dann jetzt als Oberbürgermeister kandidiere ist nur ein weiterer logischer Schritt. Zum einen habe ich da nämlich durchaus Lust drauf, weil’s Spaß macht, und zum anderen sollte man ja jemanden nominieren, der in Marburg bekannt ist. Und das bin ich.

Die PARTEI hat also immer Recht?

Natürlich.

Na gut. Aber warum sollten dich Studierende wählen?

Ich danke für diese Frage. Zum einen ist es natürlich so, dass ich selber noch Student bin und deshalb sehr viel mehr an der Lebenswirklichkeit von Studierenden dran bin, als irgendwelche Menschen, die vor zwanzig Jahren studiert haben und das ganze Bachelor-Master-System nicht verstehen. Selbst der nächst jüngere Kandidat, Herr Schalauske, hat noch Diplom gemacht. Außerdem sagen wir als PARTEI, dass Marburg Universitätsstadt bleiben muss.

Aber du bist schon sechs Jahre hier. Geht einem Marburg nach so langer Zeit nicht mal irgendwann auf den Geist? Und wenn du dann auch noch gewählt werden würdest, müsstest du ja auch noch ’ne Weile hier bleiben…

Ja, dann wäre ich sicher noch einige Jahre hier. Bestenfalls auch mehr als zwei Amtszeiten. Aber ne, Marburg nervt eigentlich nicht. Vor sechs Jahren habe ich mich auch nur in Marburg beworben, weil ich’s hier auf Anhieb sehr cool fand. Klar gibt es Momente, dass man mal ein paar Tage raus will, aber insgesamt geht mir die Stadt nicht auf den Keks und wenn ich Oberbürgermeister bin, kann ich die Stadt ja auch noch soweit beeinflussen, dass die Stadt einem noch weniger auf den Keks geht.

Du hast schon die anderen Kandidat*innen angesprochen. Was unterscheidet dich denn von ihnen?

Zum einen bin ich als gelernter Politiker und Politikwissenschaftler natürlich weitaus qualifizierter als so’n Landarzt, Facharzt oder Sparkassendirektor. Oder ’n Verrückter wie der Wiegand. Ich bin weitaus kompetenter, weil ich das von der Pieke aufgelernt habe. Ich bin weitaus seriöser und auch jünger, weshalb ich das auch länger machen kann. Und was man nicht vergessen sollte: Ich mache den Job für die Hälfte. Das heißt die Stadt hat durch mich weniger Kosten.

Und wie stehst du zu den derzeitigen Problemthemen Marburgs? Wie zum Beispiel der Wohnungsnot oder der Burschenschaft Germania, die gerade den Vorsitz in der Deutschen Burschenschaft inne hat?

Das sind zwei sehr schöne Fragen, auf die ich natürlich gerne antworte. Was den Wohnraum betrifft, sagen wir ganz klar: Kein Fußbreit dem Mietpreis. Wenn ich die Wahl gewinne, werden wir in Marburg ein Makler*innenverbot etablieren, weil wir glauben, dass diese dazu führen, dass der Mietpreis unglaublich steigt und dass dann teilweise Wohnraum vermietet wird, von dem es eigentlich nur ein schlechter Scherz sein kann, diesen als solchen zu bezeichnen. Was die Verbindungen betrifft, und vor allem die Germania, die den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft übernommen hat, ist unser Plan, diese baulich auszugemeinden. Das heißt: Wir werden um die Lutherstraße und den Hainweg eine Mauer ziehen und sagen, das gehört nicht mehr zu Marburg. Vielleicht kriegt es ja Wiesbaden. Wir könnten dazu eine Bürger*innenbefragung machen. Dann sähe man auch was unbeliebter ist: Wiesbaden, Gießen oder Offenbach.

Und was ist mit den Verbindungen, die nicht in der Lutherstraße oder im Hainweg ansässig sind?

Denen werden wir nahelegen dort hinzuziehen. Und dann werden wir den freigeschaffenen Wohnraum günstig vermieten.

Wie sieht es mit der geplanten Seilbahn aus? Was sagst du dazu?

Diese Seilbahn ist ein ziemlich schwachsinniges Konzept. Ich war auch schon bei den Konzeptstudienvorstellungen, weil ich nicht einfach so sagen wollte, dass ich das scheiße finde. Aber auch danach blieb mein Eindruck: Eine Seilbahn ist nicht das vernünftigste Verkehrsmittel für Marburg, weil sie zu teuer ist, ihre Kapazität wahnsinnig überschätzt und die erdachte Zeitersparnis utopisch. Ich finde, wir brauchen keine Seilbahn, sondern eine geflutete Oberstadt mit einem barrierefreien Schiffsverkehr vom Schloss bis zum Bahnhof.

Du hast auch gesagt, dass du dich zum Oberbürgermeister hast aufstellen lassen, weil die bisherige Politik, die du betrieben hast, allen voran das StuPa, inhaltsleer sei. Heißt das, dass die OB-Wahl das einzige politische Ereignis in Marburg ist, das man ernst nehmen kann?

Das ist eine gute Frage. Aber es ist eben die Frage, ob man Politik generell ernst nehmen kann und sollte. Was uns als PARTEI öfter vorgeworfen wird, weil wir ja mit etwas kreativeren Konzepten Politik machen, ist ja, dass wir eine Satire-Partei sind. Ich glaube aber, dass solch ein kreativer Umgang generell für Politik ein sinnvoller ist. Ich glaube nicht, dass man diese OB-Wahl zu ernst nehmen sollte. Und ich glaube nicht, dass man irgendein politisches Ereignis zu ernst nehmen sollte. Man sollte alles mit einer gesunden und kreativen Distanz betrachten.

Okay. Genug von Politik. Sag uns, wie sieht dein perfekter Tag in Marburg aus?

Der perfekte Tag in Marburg fängt nicht früh an, sondern damit, dass man in Ruhe ausschläft. Danach sollte man feststellen, dass es ausnahmsweise mal nicht regnet. Weil Marburg ja oft ein bisschen das London an der Lahn ist. Ist man dann aufgewacht, stellt man am besten fest, dass man gar nicht so viel zu tun hat. Deswegen setzt man sich dann nachmittags entspannt an die Lahn, grillt dort mit Freunden und trinkt Bier. Bis zum Abend, den man auf einer WG-Party, ’nem Vortrag oder ’ner anderen Feier beendet. Und dafür, dass der Tag so spät angefangen hat, sollte er natürlich auch lange gehen. Am besten bis zum nächsten Sonnenaufgang.

Letzte Frage: Was hat es mit dem Einhorn, das dich immer begleitet, auf sich?

Ich danke für diese Frage. Wir als PARTEI finden, dass Einhörner sehr wichtig sind. Deshalb gibt es bei vielen Orts- und Landesverbänden Einhornbeauftragte. Einhörner sind gut und wir sind gut. Wir dachten das passt gut zusammen. Außerdem sehen Einhörner fast so gut aus wie wir.

FOTOS: Promo (Thomas Spieß, Dirk Bamberger, Elke Neuwohner, Jan Schalauske), Luis Penner (Marius Beckmann), Leonie Ruhland (Rainer Wiegand)

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PHILIPP-Gründerin und Chefredakteurin von 2014 - 2017.

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