101 Dinge, die du während deines Studiums (in Marburg) gemacht haben solltest

101 Dinge, die du während deines Studiums (in Marburg) gemacht haben solltest

Der Berliner Kolumnist und Professor für Texttheorie und -gestaltung an der UdK Berlin, Stephan Porombka, schreibt gerne Listen. Eine hat er sogar in der ZEIT veröffentlicht. Auf dieser Liste zu finden: 101 Dinge, die man während seines Studiums gemacht haben sollte. In einem Seminar, das pure Zeitverschwendung ist, aufstehen und sagen, dass es pure Zeitverschwendung ist, steht da zum Beispiel drauf. Oder ein Buch in die Bibliothek stellen, das an dieser Stelle definitiv nichts zu suchen hat. Inspiriert von dieser Liste, die nun sehr allgemein das Leben von Studierenden und jungen Menschen beschreibt, sehr oft romantisiert daher kommt und stellenweise sogar zum politischen Handeln auffordert, habe ich in Rücksprache mit meiner Redaktion nun auch eine Liste angefertigt. Nur dass diese sich sich in weiten Teilen konkret auf unser Studierendenleben hier in Marburg bezieht. Das harrypottereske Ambiente und die immer wieder sich wiederholenden Klassikersituationen laden einfach dazu ein.

  1. Kauf dir eine Einwegkamera und fotografiere in deiner Lieblingsjahreszeit die schönsten Orte der Stadt. Lass sie erst entwickeln, wenn du Marburg verlässt.
  2. Leg‘ dir Twitter zu und setz dich mit mindestens (!) einem 6er-Bier ins Studierendenparlament (StuPa).
  3. Natürlich trinkst du auch einen rostigen Nagel im Deli.
  4. Und dann noch mal im Frazzkeller. Weil irgendwann sicher deine Freunde aus der Heimat und/oder Couchsurfer:innen vorbeikommen und du ihnen dieses kulinarische Spektakel nicht vorenthalten möchtest.
  5. Trinke aus dem Brunnen am Marktplatz.
  6. Sprinte einmal im Semester die Treppen bei der Pause hoch und beobachte, ob sich deine Zeit verbessert hat.
  7. Nimm am Marburger Nachtmarathon teil und laufe einen (Halb-)Marathon.
  8. Scheiß‘ mal auf Berlin und feiere dein Silvester hier.
  9. Mache eine Nachtwanderung vom Schloss zum Spiegelslustturm.
  10. Ruf die 09005/771207 an und sag deinem Schwarm/Lieblingsmenschen, dass das Herz vom Spiegelslustturm nur für ihn:sie zum Leuchten gebracht hast. Kostet auch nur 77,12 €.
  11. Fahr Tretboot auf der Lahn und tu‘ alles dafür, dass du untergehst.
  12. Besorg‘ dir einen Einkaufswagen und fahr damit gegen die Wand parallel zur Ketzerbach wo „Gleis 9 ¾“ drauf gesprayt ist.
  13. Erfinde ein Trinkspiel, das mit Marburg zu tun hat.
  14. Gründe eine BuLi-Mannschaft. Oder tritt einer bei.
  15. Geh im Botanischen Garten in den Teichen baden.
  16. Geh, das versteht sich von selbst, nackt in der Lahn baden.
  17. Beschäftige dich mit dem Thema Feminismus, bevor du anfängst darüber zu diskutieren.
  18. Lass die Stadtpolitik dir nicht komplett am Arsch vorbeigehen und nimm zum Beispiel mal an einer Fahrraddemo teil.
  19. Ausnahmslos: Hilf deinen Freunden beim Umzug. Auch wenn sie nach Wehrda ziehen.
  20. Geh mit deinem Schwarm ins Open-Air-Kino.
  21. Erstelle eine Facebook-Fanpage für deine WG.
  22. Schreib auf, was dir passiert und schreib immer auf, was dich bewegt.
  23. Nimm mit einem Text aus diesen Notizen selbst an einem Poetry Slam teil.
  24. Fang eine Diskussion an. Mit deinem Edding an der Klowand in der PhilFak.
  25. Setz dich in irgendein Seminar in der alten Uni und frage, was du machen musst, um zehn Punkte für Gryffindor zu gewinnen.
  26. Zieh‘ mindestens einen Kurs im Hochschulsport mal bis zum Ende durch.
  27. Trink mit den Punks auf der Brücke ein Sterni.
  28. Engagier dich für die Flüchtlinge in Cappel. Egal wie.
  29. Fahr mit allen Buslinien bis ans Ende. Auch mit der 383.
  30. Wenn Schnee liegt: Fahr mit einem Schlitten den Steinweg runter.
  31. Wenn kein Schnee liegt: Fahr mit deinem Fahrrad den Steinweg runter.
  32. Geh‘ zur Radikate und repariere dein Fahrrad mal selbst.
  33. Steh‘ freitags um kurz vor elf vor dem DRK-Secondhandladen, weil dann die neuen Sachen eingetroffen sind.
  34. Verkaufe deine alte Kleidung auf einem Flohmarkt im Knubbel, dem Trauma oder den Waggonhallen und hau dein eingenommenes Geld im DRK-Secondhandladen wieder raus.
  35. Mach‘ eine geführte Stadtführung. Und gib dann dein Wissen weiter, indem du eine Schnitzeljagd veranstaltest oder einer ortsfremden Person eine Stadtführung gibst.
  36. Schnapp dir deine Freunde, sehr viel Bier und einen Bollerwagen. Und zieht dann (grölend) vom Niederweimarer See an die Lahnwiesen.
  37. Überleg dir ganz genau, ob du Unipolitik machen möchtest.
  38. Erstelle für jede deiner Vorlesungen ein Bullshit-Bingo und lege es vor Beginn auf jeden einzelnen Platz.
  39. Sammle 30-Scheinunterschriften für eine StuPa-Liste und erkläre dich zu ihrem diktatorischen Vorsitzenden.
  40. Rufe im StuPa ganz laut: „Das ist doch alles konstruiert!“
  41. Beginne, nachdem du dafür einen Ordnungsruf kassiert hast, eine Diskussion darüber, ob dieses Verhalten mit der Geschäftsordnung vereinbar ist. Drohe mit deinem Anwalt.
  42. Überleg dir auch ganz genau, ob du wirklich auf eine Verbindungsparty gehen möchtest. Es sei denn, du hast vor, eine Feldstudie durchzuführen.
  43. Nimm an einer Studie teil. Egal ob du dafür Geld bekommst oder nicht. Denn irgendwann wirst auch du mal die Hilfe bei einer brauchen.
  44. Gründe ein Kollektiv, das Techno-Partys veranstaltet und übernehme den Posten des DJ’s. Auch, wenn du das nicht kannst.
  45. Geh Blut spenden und spende dann das Geld, das du dafür bekommen hast.
  46. Veranstalte ein Festmahl für deine Freunde. Aus Lebensmitteln, die du vorher containert hast.
  47. Nimm bloß das neueste Angebot im Earlys wahr, bevor es weg ist.
  48. Verlaufe dich auf dem Weg zu einem Open Air und stelle dann mit komplett zerrissenen Armen und Beinen fest, dass der eigentliche Weg gar nicht so weit von dem steilen Hang, den du selbst hochgeklettert bist, entfernt war.
  49. Verlaufe dich auf dem Weg ins TillDawn. Auch wenn du dort zum 18. Mal hingehst.
  50. Veranstalte ein WG-Casting nur um neue Leute kennenzulernen.
  51. Falls du ein:e Geisteswissenschaftler:in bist: Lerne, dass nicht jede:r so viel liest wie du. Falls du kein:e Geisteswissenschaftler:in bist: Lerne, dass es wichtig ist, dass manche Menschen vorrangig Dinge lesen, um zu verstehen.
  52. Lass dir von den Beschäftigten beim Sofra Döner in der Lahnpassage erklären, was genau ein Hackfleischdöner ist und wie er sich zum Kalbsfleischdöner unterscheidet.
  53. Fahr einmal mit dem Fahrrad auf die Lahnberge.
  54. Denke niemals, dass ein Forschungsprojekt bestimmt das einfachste und unstressigste deines Studiums sein wird.
  55. Gib Erstis, die noch kein Zimmer haben, ein provisorisches Dach über den Kopf. Auch eine Isomatte kann helfen.
  56. Außerdem, nimm, wenn es dir möglich ist, Couchsurfer:innen bei dir auf und zeige ihnen deine Stadt.
  57. Lass dir von einer:m Kapitalismusgegner:in ausführlich erklären, wie genau die Alternative aussehen könnte.
  58. Schiebe die Schuld für alles am Ende deiner Haus-/Abschlussarbeit auf die fehlende politische Bildung und den Kapitalismus.
  59. Kaufe am „letzten Verkaufstag“ ein originelles Poster.
  60. Falls du ein:e Jurist:in bist: Lerne, dass nicht alle Vorschriften lieben. Falls du kein:e Jurist:in bist: Lerne, dass Vorschriften manchmal auch einen Sinn ergeben.
  61. Geh‘ ins Altersheim und lass dir davon erzählen, wie es früher hier in Marburg war.
  62. Besuche mehr als ein Museum, zum Beispiel das der Anatomie, wo es das Marburger Lenchen zu bewundern gibt.
  63. Lass dir von Martine Jauernik, a.k.a unsere fröhliche Mensastimme deinen Anrufbeantworter besprechen.
  64. Kauf deine Bücher nicht bei Amazon, sondern bestell sie dir bei den ehrenwerten Buchhändlern Elwert, Roter Stern, Arcularius und Co.
  65. Iss einen Auflauf im Memba und beschwere dich, dass er genauso wie im Earlys schmeckt, dann gehe ins Paprica und wiederhole das Ganze.
  66. Wenn du die Möglichkeit dazu hast, geh nicht nur immer auf welche, sondern veranstalte auch mal eine offene WG-Party.
  67. Setz dich an der Lutherkirche auf die Mauer und lass‘ deine Seele und Beine baumeln.
  68. Fahr mit der 7, verpasse den Ausstieg und fahre den Ring solange, bis deine Haltestelle wiederkommt.
  69. Mach bei Rave solange durch, dass man dich, wenn man dich trifft, fragt, ob du „noch“ oder „wieder“ wach bist.
  70. Beginne in der Barfüßerstraße 7, der Kostbar Marburg, eine Kneipentour. Trinke in jedem angrenzenden Restaurant/Kneipe ein Bier. Schau, wie weit du kommst.
  71. Schimpfe darüber, dass hier in Marburg nichts geht und liebe es dafür, dass hier was geht.
  72. Fahre nach Gießen und fang eine Diskussion darüber an, ob Marburg oder Gießen schöner ist. Gewinne die Diskussion.
  73. Erkläre einem:r Erstsemester:in, dass man sich auch noch im 12. Fachsemester in Marburg verlaufen kann.
  74. Wenn du kannst: Nimm an Karneval/Fasching Reißaus. Wenn du nicht kannst: Bleib in deinen vier Wänden.
  75. Veranstalte ein Flunkyballturnier an der Lahn.
  76. Versuche bewusst einen Crash im Mensa-System.
  77. Nimm den Didgeridoo-Spielern in der Oberstadt ihr Didgeridoo weg.
  78. Nimm auch allen anderen Musiker:innen in der Oberstadt ihre Instrumente weg.
  79. Schau dir den Affenfelsen auch mal von innen an. Betritt anschließend mit einem Lächeln deine eigenen vier Wände.
  80. Besuche eine Ringvorlesung.
  81. Iss Torte im Café Vetter.
  82. Drück‘ den Knopf an der Kletterwand im Aquamar und sorge dafür, dass du kontinuierlich deinen Rekord im Rutschen brichst.
  83. Nimm deinen 25. Geburtstag ernst und kümmere dich um deine Versicherungen.
  84. Lies die Oberhessische Presse und schneide regelmäßig Überschriften aus. Füge die Überschriften anschließend auf einem Poster in deiner WG nach Sinnzusammenhang zusammen.
  85. Verteile Waschlappen und Seife an alle, die in der Bibliothek ihre Schuhe ausziehen.
  86. Lerne mit Photoshop umzugehen und entwirf neue Flyer für die Fachschaftspartys.
  87. Besuche ein Marketingseminar und entwickle neue Werbesprüche für Fachschaftspartys.
  88. Fahre immer mit dem Oberstadtaufzug, auch wenn du länger warten musst, als du laufen würdest. In welcher Stadt kann mensch schon sonst mit dem Aufzug in ein Stadtviertel fahren?
  89. Dreh‘ einen ehrlichen Imagefilm über dein Studienfach.
  90. Erstelle einen Foodblog, auf dem du das Essen aus der Mensa fotografierst.
  91. Wenn du ein:e Wirtschaftswissenschaftler:in bist: Lerne, dass Geld nicht alles ist. Falls du kein:e Wirtschaftswissenschaftler:in bist: Lerne, das Geld nicht nichts ist.
  92. Lass deine Sprachkenntnisse nicht noch weiter einrosten und besuche einen Kurs im Sprachenzentrum.
  93. Such dir danach eine:n Tandempartner:in.
  94. Wenn du zufällig auf der Staße eine:n Bekannte:n triffst, sei so ehrlich und sage, dass das mit „mal einen Kaffee trinken“ doch sowieso nichts wird.
  95. Stell in den Semesterferien an mehreren Orten der Stadt CD-Player auf und lass auf allen gleichzeitig „Spiel mir das Lied vom Tod“ laufen.
  96. Danke dem Lecker-Eck, dass es immer für dich da ist.
  97. Und dem Fireflight Späti dafür, dass es keine Bild-Zeitungen verkauft.
  98. Fotografiere die PhilFak so, dass sie schön ist. Oder leg so viele Instagramfilter drüber, dass sie schön wird.
  99. Schau dir mal ein Spiel von den Marburg Mercenaries an
  100. Kopiere dein Gesicht auf einem Unikopierer. Motiviere deine Freunde, es dir nachzutun. Veranstalte anschließend eine Fotoausstellung.
  101. Vervollständige diese Liste.

INSPIRIERT DURCH: Jaqueline Ahuraian, Nele Hüpper, Muriel Kalisch, Laura Seime, Leonie Ruhland, Susanna Roßbach, Karina Tschernenko, Armin Willems, Daniel Zimmermann
ILLUSTRATION: Katharina Meyer zu Eppendorf

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PHILIPP-Gründerin und Chefredakteurin von 2014 - 2017.

2 Gedanken zu “101 Dinge, die du während deines Studiums (in Marburg) gemacht haben solltest

  1. Punkt 59: Schiebe die Schuld für alles am Ende deiner Haus-/Abschlussarbeit auf die fehlende politische Bildung und den Kapitalismus. || Das kann ich perfekt in meine Aktuelle Hausarbeit als Fazit einbauen. Das wird direkt umgesetzt. Danke für die Inspiration!

  2. Man darf in der Oberstadt nicht die dunkelgrauen Steine berühren weil die aus Lava sind #Kindheitserinnerungen

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