Warum stellst du dich zur (Kommunal-)Wahl?

Warum stellst du dich zur (Kommunal-)Wahl?

Kommunalpolitik klingt für viele junge Menschen erst einmal ein wenig angestaubt: Nach Diskussionen über Verkehrsführung, Windräder und Hallenbäder, nach Entscheidungen, die „unsere Region wieder nach vorne“  bringen sollen, nach Wahlkampf auf Marktplätzen. Tatsächlich werden aber gerade auf kommunaler Ebene Themen verhandelt, die auch junge Menschen direkt betreffen. Warum es sich lohnt, in der Kommunalpolitik aktiv zu sein, haben uns sechs Studierende erzählt, die bei den kommenden Kommunalwahlen am 6. März in Hessen kandidieren.

Lukas CDU

Lukas, 21, CDU

Wer bist du und was machst du? Ich heiße Lukas Manuel Ranft aus Bad Endbach und studiere BWL Wirtschaftsinformatik dual bei CSL Behring in Marburg.

Für welches Amt stellst du dich zur Wahl? Ich kandidiere in meinem Wohnort für den Ortsbeirat, für das Gemeindeparlament und in Marburg-Biedenkopf für den Kreistag.

Warum stellst du dich zur Wahl? Gerade in der Uni bekommt man viele verschiedene Meinungen mit, man diskutiert und tauscht sich aus. Wenn man etwas zu sagen hat und sich ehrenamtlich einbringen möchte, warum sollte man dann nicht auch schon als Schüler oder Student Verantwortung tragen und mitwirken können?

Welche Themen sind für dich besonders wichtig? Eine jüngere und modernere Politik, bei der sich Jugendliche besser vertreten fühlen und auch über neue Medien die Möglichkeit haben, mitgestalten zu können.

Auf welchem Listenplatz stehst du? Für den Ortsbeirat stehe ich auf Listenplatz 2, für das Gemeindeparlament auf 3, meine Wahlchancen bei diesen Positionen stehen also sehr gut. Auch wenn der Listenplatz 31 für den Kreistag kein schlechter ist, kann man hier mit Sicherheit nichts sagen.

Lena SPD

Lena, 21, SPD

Wer bist du und was machst du? Ich heiße Lena Schönewald, bin 21 Jahre alt und studiere in Marburg Rechtswissenschaft. Dennoch ist mein Erstwohnsitz Borken (Hessen).

Für welches Amt stellst du dich zur Wahl? Ich kandidiere in Borken als Stadtverordnete und in meinem Stadtteil Gombeth für den Ortsbeirat.

In welcher Partei bist du? Obwohl ich kein Parteibuch besitze, kandidiere ich für die SPD, weil ich ihren Positionen nahe stehe.

Warum stellst du (als Studi) dich zur Wahl? Meiner Meinung nach sollte ein Parlament die breite Masse der Bevölkerung repräsentieren – demnach auch jüngere Menschen. Der entscheidende Grund für meine Kandidatur mit gerade einmal 21 Jahren ist aber: Man benötigt eine gewisse Zeit, um sich einzuarbeiten und zu lernen, mit der HGO umzugehen. Ich habe vor, mich längere Zeit kommunalpolitisch zu engagieren und später möglicherweise führende Positionen zu übernehmen.

Auf welchem Listenplatz stehst du? Auf der Kandidatenliste für die Stadtverordnetenversammlung stehe ich auf Platz 20. Zur Zeit hat die SPD 19 von 37 Sitzen. Damit stehe ich auf keinem sicheren Platz, aber es ist durchaus möglich, dass ich gewählt werde. Für den Ortsbeirat gilt Ähnliches. Gerade auf kommunaler Ebene ist aber davon auszugehen, dass viele Wähler:innen kumulieren und panaschieren. Damit ist das Wahlergebnis offen.

Ines DIE GRÜNEInes, 21, DIE GRÜNEN

Wer bist du und was machst du? Ich heiße Ines Weiershausen und komme aus Lahntal. In Marburg studiere ich Zahnmedizin im zweiten Semester.

Für welches Amt stellst du dich zur Wahl? Ich lasse mich als Kandidatin für das Gemeindeparlament Lahntal aufstellen.

In welcher Partei bist du? Ich kandidiere für „Die GRÜNEN“ in Lahntal, bin allerdings kein Parteimitglied. Die Interessen der GRÜNEN decken sich größtenteils mit meinen persönlichen Vorstellungen. Ich halte ihre Politik für zukunftsorientiert, nachhaltig und sozial. Als junger Mensch kann ich mich damit gut identifizieren.

Warum stellst du (als Studi) dich zur Wahl? Meine Auffassung von Demokratie ist, dass die Abgeordneten eines Parlamentes einen Spiegel der Gesellschaft darstellen. Bisher – finde ich – sind junge Erwachsene und ihre Interessen unterrepräsentiert. Daher halte ich es für besonders wichtig, dass sich gerade junge Mitbürger:innen in der Kommunalpolitik engagieren.

Welche Themen sind für dich besonders wichtig? Meinen Schwerpunkt lege ich auf Familien- und Sozialpolitik in unserer Gemeinde. Ich möchte den Jugendlichen eine Stimme verschaffen und mich etwa für attraktive Freizeitangebote in Lahntal einsetzen. Auch im Bereich der Integration von Neubürger:innen aus Krisengebieten setze ich mich ein. Dabei ist mir die interkulturelle Begegnung sehr wichtig, die gegenseitiges Verständnis schafft und als Chance gesehen werden kann, Zuwanderung als Bereicherung unserer Gesellschaft zu begreifen. Über aktuelle Themen wie der „Flüchtlingspolitik“ sehe ich zurzeit geteilte Meinungen der Bürger:innen. Die Wahl wird uns zeigen, wie die Stimmung in der Gemeinde aussieht.

Lisa FDPLisa, 22, FDP

Wer bist du und was machst du? Ich heiße Lisa Freitag, studiere Rechtswissenschaften im fünften Semester und wohne im Marburger Südviertel.

Für welches Amt stellst du dich zur Wahl? Ich kandidiere für die Marburger Stadtverordnetenversammlung und den Kreistag Marburg-Biedenkopf.

In welcher Partei bist du? In der FDP bin ich seit 2014. Bereits seit 2010 bin ich Mitglied bei den Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP. Der liberale Gedanke begleitet mich seit meiner frühesten Jugend. Eine Parteizugehörigkeit verkörpert für mich gleichzeitig ein Lebensgefühl. Ich mag die Vorstellung, dass jeder sein Leben und seinen Lebensweg selbstbestimmt und nach individuellen Vorstellungen verwirklichen kann.

Warum stellst du (als Studi) dich zur Wahl? Ich stehe zur Wahl, weil ich den Wunsch habe, aktiv zu gestalten und nicht nur Zuschauer zu sein. Entscheidungen, die sowohl von der Stadtverordnetenversammlung als auch im Kreistag getroffen werden, haben Auswirkung auf unser tägliches Leben. Da ist es wichtig, dass sich eine Vielzahl der Bürger beteiligt. Studenten spielen – gerade in Marburg – eine wichtige Rolle. Daher ist es schön, auch auf den Listen der anderen Parteien so viele Studenten zu sehen. Wie immer und überall ist ein gesundes und ausgewogenes Bild wichtig, um im Sinne und zum Wohle vieler handeln zu können.

Welche Themen sind für dich besonders wichtig? Da ich selbst noch in der universitären Ausbildung stecke, steht mir die Bildungspolitik natürlich sehr nahe. Wir haben das Potential, erstklassige Ausbildung zu leisten – und zwar für jedes Kind nach eigenen Bedürfnissen. Doch leider bleiben eine Vielzahl der Schulen weit hinter ihren Möglichkeiten – das darf nicht sein! Auch das Thema Infrastruktur liegt mir am Herzen: Jeder Bürger sollte das Verkehrsmittel nutzen, welches er möchte. Wir dürfen nicht aus dem Auge verlieren, dass sehr viele Arbeitnehmer täglich nach Marburg pendeln. Wir benötigen eine funktionierende Infrastruktur, um Arbeitsplätze zu erhalten und die Möglichkeit für neue zu schaffen.

Jonathan LINKEJonathan, 24, DIE LINKE

Wer bist du und was machst du? Ich bin Jonathan Schwarz und studiere Lehramt auf Deutsch und Geschichte sowie Deutsch als Fremdsprache. Mein Zuhause ist eine supernette Vierer-WG mit Schlossblick auf dem Ortenberg.

Wo und für welches Amt stellst du dich zur Wahl? Ich stelle mich für das Marburger Stadtparlament zur Wahl und möchte gerne Stadtverordneter werden.

In welcher Partei bist du? Ich bin seit letztem Jahr Mitglied in der Partei DIE LINKE und war davor sechs Jahre für die SPD im Biedenkopfer Stadtparlament. Seitdem ich in Marburg studiere, macht es für mich nur noch wenig Sinn, in einer Stadt Kommunalpolitik zu machen, von der ich fast nichts mehr mitbekomme. Ich habe mittlerweile in Marburg eine neue politische Heimat in der LINKEN gefunden, die ebenso wie die SPD Wert auf Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Gleichbehandlung, Solidarität und eine sozialen Energiewende legt. Nur lehnt die LINKE zu meiner Freude auch konsequent Kriegseinsätze, das TTIP-Freihandelsabkommen oder weitere finanzielle Entlastungen für superreiche Privatvermögen ab und strebt eine Gesellschaftsordnung an, die auf Frieden, Demokratie, Sozialismus und weiteren humanen Werten basiert.

Warum stellst du (als Studi) dich zur Wahl? Generell ist es für jede Liste wichtig, dass dort junge Menschen kandidieren, die neue Ideen und frischen Wind in die Organe unserer Demokratie tragen. Analysiert man die Altersstruktur von Kommunalparlamenten, sind junge Menschen deutlich unterrepräsentiert – dabei ist es Aufgabe eines demokratischen Parlaments, einen möglichst optimalen Querschnitt der Bevölkerung abzubilden.

Welche Themen sind für dich besonders wichtig? Ich möchte mich insbesondere für Sozialen Wohnungsbau und demokratisch verwalteten Wohnraum engagieren. Außerdem ist es mir wichtig, dass die städtische Infrastruktur an die steigenden Studierendenzahlen angepasst wird, dass studentische Kulturprojekte in der Stadtpolitik stärker berücksichtigt werden und, dass der Alte und Neue Botanische Garten erhalten bleiben. Last but not least: Ich möchte mich für die Einrichtung eines Studierendenbeirates (ähnlich wie der Ausländerbeirat) unter Federführung des StuPa und des AStA einsetzen, um die Interessen der Studierenden besser und direkter berücksichtigen zu können.

Roland PIRATENRoland, 43, DIE PIRATEN

Wer bist du und was machst du? Ich heiße Roland Girards, wohne in Beltershausen (im Ebsdorfergrund) und studiere Jura in Marburg.

Für welches Amt stellst du dich zur Wahl? Ich kandidiere als Kreistagsabgeordneter für den Landkreis Marburg-Biedenkopf.

In welcher Partei bist du? Ich bin seit 2012 in der Piratenpartei. Die Menschen in dieser Partei stimmen am meisten mit meinen eigenen Werten überein. In der Partei kann man sich einfach einbringen und muss sich nicht erst hochdienen.

Warum stellst du (als Studi) dich zur Wahl? Ich stelle mich zur Wahl, weil ich auf der Aufstellungsversammlung auf den Listenplatz gewählt wurde – das bedeutet ja, dass die Mehrheit in der Partei möchte, dass ich mich zur Wahl stelle. Ich habe außerdem Zeit und Energie, das zu tun. Dass sich Studierende mehr in der Kommunalpolitik engagieren, finde ich nicht wichtig. Ich finde es wichtig, dass sich Leute in der Kommunalpolitik engagieren, die etwas zum Positiven verändern wollen, gute Ideen haben und engagiert sind – egal ob Studierende, Arbeitende, Arbeitslose oder Hausfrauen oder -männer.

Welche Themen sind für dich besonders wichtig? Viele Dinge, die mir wichtig sind, etwa die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, lassen sich auf Kreisebende nicht umsetzen. Es geht da eher um Infrastrukturausbau: Straßen, ÖPNV, Wasser, Strom, Gas und natürlich der Internet-Breitbandausbau. Ich würde mich dafür einsetzen, dass bei diesem Ausbau die betroffenen Bürger:innen miteinbezogen werden. Zudem liegt mir die Umsetzung eines fahrscheinlosen ÖPNV am Herzen.

FOTOS: ring2 auf flickr.com, CC-Lizenz (Titelbild), Promo / privat (Porträts)

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Stellvertretende Chefredakteurin und Ressortleiterin Politik. Hat seit neustem ein abgeschlossenes Hochschulstudium - yeah! - und ist ein Fan von Katzen, dem Internet und Katzen im Internet.