Sneak-Review #26: Ein Mann namens Ove

Sneak-Review #26: Ein Mann namens Ove

Und wieder fragen wir: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder greifen bereits die ersten Cineast:innen nach ihren Jacken? Diesen Dienstag in der Sneak: Die schwedische Tragikomödie „Ein Mann namens Ove“ von Regisseur Hannes Holm mit Rolf Lassgård und Zozan Akgün.

Der letzte schwedische Film, den die meisten von uns bewusst gesehen haben, ist wahrscheinlich „Pippi Langstrumpf“. Mit Pippi hat „Ein Mann namens Ove“ aber herzlich wenig gemeinsam. Statt einem jungen, wilden und freiheitsliebenden Mädchen und „Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt“ sehen wir einen alten, verbitterten und pedantischen Mann, dessen Motto „Regeln gibt es auf der Welt, damit sie eingehalten werden“ sein könnte. Ove (Rolf Lassgård) lebt nach dem Tod seiner Frau Sonja (Ida Engvoll) allein in einer Wohnsiedlung auf dem schwedischen Land. Jeden Morgen dreht er seine Runde: Er kontrolliert, ob die Garagentüren geschlossen sind, ob Zigarettenkippen auf dem Boden liegen, ob der Müll getrennt ist. Er schreibt Falschparker auf und meckert. Seine Nachbar:innen mögen ihn – überraschenderweise – nicht.

Selbstmord mit Hindernissen

Ove erscheint sein Leben nach dem Tod seiner Frau nicht mehr lebenswert. „Wenn alles gut läuft, komme ich heute noch zu dir“, sagt Ove zu ihrem Grabstein auf dem Friedhof. Allerdings läuft es für Ove in Sachen Selbstmord gar nicht gut. Will er sich erschießen, klingelt es an der Tür, will er sich erhängen, reißt das Seil, will er sich vor den Zug schmeißen, rettet er stattdessen einem anderen Mann das Leben. Hinzu kommt, dass sich seine neue Nachbarin Nasanin (Zozan Akgün) mit ihrer Familie immer stärker in Oves Leben drängt – liebevoll natürlich. Ove liest nun auch schon Mal Bilderbücher vor, gibt Fahrstunden oder schließt eine Spülmaschine an. Grimmig bleibt er trotzdem.

„Ein Mann namens Ove“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Frederik Backman, das sich in Deutschland über ein Jahr auf den Bestsellerlisten hielt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Oves grimmige Sprüche, die skurrilen Charaktere und die – zugegebenermaßen – anrührende Geschichte geschrieben sehr gut funktionieren. Leider ist die filmische Adaption Regisseur Hannes Holm nicht so recht geglückt. Der Film ist oft still, blass und – leider – etwas langatmig. Mir ist schon bewusst, dass die Handlungsarmut auch als Stilmittel für Oves Trauer und seinen fehlenden Lebensinhalt eingesetzt wird. Der Film ist oft still, weil Oves Leben still ist. Die Farben sind blass, weil nach dem Tod von Sonja auch die Farben aus Oves Leben verschwunden sind. Spannender anzusehen ist er deswegen aber nicht. Trotzdem bin ich mir sicher: Wer das Buch geliebt hat, wird auch den Film mögen.

Herrlich skurril, aber langatmig

„Ein Mann namens Ove“ ist ein bisschen wie ein Film, den man sich in der Schule anschauen musste – wobei die Betonung auf „müssen“ liegt. Die Geschichte ist eigentlich sehr schön, an manchen Stellen wirklich traurig und den einen oder anderen Lacher gibt es auch. Für die Skurrilität der Geschichte – „Sich umzubringen ist gar nicht so einfach, wie ich dachte“, sagt Ove zum Beispiel – kann ich mich auch durchaus begeistern. Insgesamt finde ich die Story aber doch etwas zäh. Nach dreißig Minuten habe ich das erste Mal auf die Uhr geschaut und mich gefragt, wie lange es wohl noch dauern wird. Meine Sitznachbarin bringt den Kaugummi-Vergleich: „Es zieht sich immer länger und nach einer halben Stunde ist der Geschmack weg.“ Schade ist auch: Am meisten gelacht habe ich, bevor der Film überhaupt angefangen hatte – beim Trailer zu „Stolz und Vorurteil & Zombies“ nämlich. Ja, genau: Das „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Mit Zombies. Hoffentlich kommt dieser Film auch irgendwann mal in der Sneak.

„Ein Mann namens Ove“ kommt am 7. April in die deutschen Kinos.

FOTO: Concorde Filmverleih GmbH

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Stellvertretende Chefredakteurin und Ressortleiterin Politik. Hat seit neustem ein abgeschlossenes Hochschulstudium - yeah! - und ist ein Fan von Katzen, dem Internet und Katzen im Internet.