Sneak-Review #153: If Beale Street Could Talk

Sneak-Review #153: If Beale Street Could Talk

Mit „If Beale Street Could Talk“ lief diese Woche die Verfilmung eines James Baldwin Romans in der Sneak. Regie führte Berry Jenkins, der 2017 mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet wurde, und auch dieser Film wurde ganz heiß bei den Oscars gehandelt. Bei so großen Namen und solchem Zuspruch kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

Doch erst einmal: Worum geht’s? Der Film erzählt eine afroamerikanische Geschichte in den 1970er Jahren in Harlem. Tish (KiKi Layne) ist 19 Jahre jung, verliebt und erwartet ein Kind von ihrem Freund Fonny (Stephan James). Der wurde jedoch vor Kurzem für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, verhaftet. Der Film schildert in zwei Erzählsträngen, einerseits wie Tish und Fonny sich näherkamen und zu einem Liebespaar wurden, andererseits wie die beiden Familien verzweifelt versuchen, Tish zu unterstützen und Fonnys Unschuld zu beweisen.

Um nun auf die Eingangsfrage zurückzukehren: Was kann da noch schief gehen? Leider so einiges. „If Beale Street Could Talk“ ein einziges Desaster.

Unfreiwillige Komik trifft auf gähnende Langeweile

Was macht diesen Film so schlecht? Er ist langsam. Gähnend langsam. Zwei Stunden, die sich wie mindestens vier anfühlen. „If Beale Street Could Talk“ besteht überwiegend aus langen Einstellungen, in denen wenig passiert. So kreist die Kamera beispielsweise minutenlang um ein Stück Holz. Oder der:die Zuschauer:in darf minutenlang zusehen, wie sich Tishs Mutter eine Perücke anzieht, nur um sie anschließend wieder auszuziehen. Unterbrochen wird diese zähe Erzählweise nur durch Einschübe wie Zeitraffererzählungen und Dokumentarbilder, die das Ganze aber nicht auflockern, sondern eher deplatziert wirken.

Zudem hat die deutsche Synchronisation offenbar keinen Aufwand gescheut, „If Beale Street Could Talk“ zu einem Fest der unfreiwilligen Komik zu machen. Die Protagonistin heißt Tish, ihr Freund Fonny schnitzt gerne mit Holz. Aus dieser Kombination entstehen dann Sätze wie: „Es gibt zwei Dinge, die mir wichtig sind: Mein Schnitzmesser und Tish“, oder: „Tish, ich werde unserer Familie einen Tisch bauen“. Wie soll man da noch ernst bleiben?

Subtext? Fehlanzeige!

Hat der Film denn wenigstens eine schöne Liebesgeschichte? Leider nein. Die Liebesszenen sind so plump, so unfassbar unsubtil, dass jede Romantik erstickt in Sätzen wie „Ich liebe dich, das weißt du!“ oder „Ich bin immer bei dir!“. Diese werden von den Protagonisten im Minutentakt wiederholt und verkommen dadurch zu Floskeln ohne jegliche Bedeutung. Auch innerhalb der Familie wird gebetsmühlenartig wiederholt, wie lieb sich doch alle haben.

Der Film traut seinen Zuschauer:innen nicht im Geringsten zu, Subtexte zu lesen. Hier wird alles ausgesprochen, auch die noch so kleinste romantische Geste wird verbalisiert und dadurch banalisiert. Wenn Fonny zum ersten Mal die Hand von Tish hält, dann versteht der:die Zuschauer:in automatisch, dass er sie wohl mag, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. Trotzdem erzählt die Stimme aus dem Off das gerade Gesehene noch einmal nach.

Braucht ihr einen neuen Soundtrack zum Lernen?

Die Story ist größtenteils so banal, dass man nichts darüber schreiben kann. Die Tatsache, dass die Polizei in den USA in den 1970ern (aber auch heute noch) ein Gewalt- und Rassismusproblem hat, ist schließlich bekannt. An nur wenigen Stellen wird das Thema Rassismus tiefgreifend behandelt.

Das einzige, was an diesem Film wirklich gut ist, ist die Filmmusik von Nicolas Britell, der schon die wunderbare Musik zu Jenkins letztem Film „Moonlight“ komponierte. Der Score besteht aus zwei Themen, von denen eines aus ruhiger und harmonischer Streichermusik besteht und das andere sich durch unheilvolle Jazz-Klänge auszeichnet, die an einen Soundtrack aus David Lynch-Filmen wie „Lost Highway“ oder „Mulholland Drive“ erinnern lassen. Für diese Entdeckung hat sich der Film dann doch ein bisschen gelohnt.

„If Beale Street Could Talk“ startet ab heute, dem 7. März 2019, in den deutschen Kinos.

Foto: Annapurna Pictures.

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