Royal Republic sind unreif und Adam benutzt sehr starkes Haarspray

Royal Republic sind unreif und Adam benutzt sehr starkes Haarspray

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Ganz fremd sind die Jungs von Royal Republic der Marburger Musikszene nicht; schon 2011 haben die Schweden im KFZ als Support für Eternal Tango einen Gig gespielt. Jetzt sind sie zurück, mit ihrem neuem Album „Weekend Man“, welches im Februar erscheint. PHILIPP hat mit Leadsänger Adam Grahn über dessen Hairstyle, das neue Album und Groupies gequatscht.

PHILIPP: Für den Anfang habe ich eine Frage, die mir besonders auf dem Herzen liegt. Wie bekommst du deine Haare so schön hin? Es sieht aus als wüsstest du was du tust.

Adam: Naja, ich versuche es.

Ich habe diesen Grease-Look wirklich auch schon versucht, aber nie hinbekommen. Was ist dein Geheimnis?

Meine Haare sind einfach… (überlegt), sie fallen einfach immer so runter. Ich habe sehr glatte Haare und immer, wenn ich meine Haare mache, muss ich duschen, kopfüber föhnen… also wirklich den Kopf nach unten hängen lassen und „pfffff“ (imitiert einen Föhn). Dann kann ich die Haare in Form bringen und einsprühen.

Also benutzt du nur Haarspray?

Yeah. Aber ein sehr, sehr starkes Haarspray. Es dauert immer eine halbe Stunde vor jeder Show. Gestern hab ich ein bisschen geschlampt, weil wir eine Menge zu tun hatten. Normalerweise sitzt die Frisur eine ganze Show lang. Aber diese Tour ist extrem schwitzig und warm… es wird beschissen aussehen.

Ich glaube die Leute haben Verständnis dafür. Wie auch immer. Wenn eure Band ein Film wäre, welcher Film wäre es?

Oh, die Frage ist neu! Dick und Doof vielleicht? Hm, ich hab keine Ahnung. (überlegt) Ich hab’s: Toy Story! (lacht)

Wer ist Buzz Lightyear?

Ich natürlich! Pad ist wahrscheinlich der Cowboy… wie war sein Name noch gleich? Woody, genau. Hannes ist Mr. Potatohead und Jonas wäre der Dinosaurier, Rex heißt er glaube ich.

Wo wir schon über Toy Story reden. Wie alt seid ihr eigentlich?

(Lacht) Wir sind alle Kinder der frühen 1980er.

Eure Musik macht auf mich den Eindruck als seid ihr alle sehr… mir fällt das Wort nicht ein…

(unterbricht) Unreif!

Ja genau, aber ich dachte es wäre ein bisschen unangebracht, das Wort zu benutzen.

Hast du das neue Album schon gehört?

Ich dachte, es wäre noch nicht draußen?

Nein, es ist noch nicht draußen. Ich dachte, vielleicht habt ihr eine Kopie bekommen. Eines unserer Hauptvorhaben, als wir angefangen haben, war, nicht zu heavy zu werden, uns ging es von Anfang an mehr um die Musik, als um story-telling. Wenn ein Song gut klingt, dann klingt er gut. Wir haben es einfach einfach gehalten und gesagt, wir werden nicht zu tiefgründig und reden über Bullshit. Tommy Gun, niemand weiß, worum es da wirklich geht, ich weiß es selbst nicht. Es ist einfach wie es ist. Mit der Zeit haben wir uns und unseren Horizont ein bisschen erweitert, nicht verändert, aber erweitert. Heutzutage kannst du einen bescheuerten Song über Masturbation auf einem Hausboot schreiben und du kannst einen Song schreiben, der bestimmte Weltbilder berührt oder einfach deine persönliche Einstellung zu einer bestimmten Situation. Gefühle über dieses oder jenes, weißt du? Man sollte nicht auf eine Sache beschränkt sein, wenn man beides machen kann!

Du hast mal in einem Interview gesagt, dass dein Ziel ist, Musik in jedem Gerne zu machen, auf das du Lust hast… wie die Foo Fighters?

Die Foo Fighters?

Ich glaube du hast gesagt, die Foo Fighters können machen, was sie wollen, ohne dabei uncool zu werden.

Da hast du Recht, aber ich würde eher sagen wie die Beatles. Die Beatles waren meine erste Lieblingsband, mit denen bin ich aufgewachsen.

Seid ihr inzwischen so weit, verschiedene Genres kombinieren zu können, oder bleibt ihr dem Rock’n’Roll lieber treu?

Ach, Rock ’n’ Roll… weißt du, jeder hat eine eigene Perspektive. Du hast eine Idee davon, wie The Royal sind, und ich habe eine Idee. Wenn wir einen Song machen, wird es immer Leute geben, die sagen werden: „Was zum Teufel, ich mag das nicht…“, und andere werden sagen: „Wow, das ist so fresh und cool, das ist absolut „royal“ und alle anderen Meinungen zwischendrin. Also ist alles, was wir machen können, zu machen, was wir machen wollen, weil am Ende des Tages ist es unsere Band. Wir machen das nicht für irgendjemanden. Deshalb haben wir eine Band gegründet, weil wir Musik machen wollen, die uns Spaß macht, aber nicht notwendigerweise spaßig für andere ist. Die Beatles können einen Song wie „Yesterday“ und „Helter Skelter“, der einer der ersten Punksongs überhaupt war, machen und zusammen auf ein Album packen.

Eine Frage zu dem neuen Album: Welche Sounds können wir erwarten?

Hast du die neue Single gehört? When I See You Dance With Another? Das ist so ziemlich der Sound der neuen Platte. Alles in Allem ist der Snaredrum-Sound und der Gitarren-Sound so ungefähr der Gleiche auf dem ganzen Album… mit ein paar kleinen Unterschieden. Auf weiten Strecken ist das Album recht schnell und hat vielleicht ein oder zwei Ausreißer. Überraschungen, wo Leute sagen werden: „Was zur Hölle?“. Manche werden es lieben, andere hassen und eben alles dazwischen. Wir haben auf diesem Album viel an kleinen Parts gearbeitet. Textlich und musikalisch. Andere Leute haben uns stark gepuscht im Songwriting.

Haben eure Plattenfirma und das Management einen großen Einfluss auf euer Schaffen?

Sie können sagen, was sie sagen wollen, am Ende des Tages können wir sagen „Fuck you“ und sie können das gleiche machen. Es geht darum, zusammen zu arbeiten. Dafür sind sie da und dafür sind wir da. Es ist gut ehrlich zu sein. Am Ende, jetzt wo das Album endlich fertig ist, war es sehr gut, dass sie uns gepuscht und erinnert haben: „Das könnt ihr doch noch besser!“ Ich bin also ziemlich dankbar dafür.

Mal ein kleiner Themenwechsel. Habt ihr eigentlich noch Groupies?

Immer noch Groupies? (lacht) Jetzt wo wir alt werden.. (lacht wieder) Ich meine, es gibt einen großen Unterschied zwischen Groupies und Fans. Man darf niemals Groupies und Fans verwechseln, weil das einfach nicht dasselbe ist. Es gibt Leute, die was mit Bandmitgliedern anfangen wollen, manchmal sogar eine ganze Menge davon. Aber die meisten davon sind einfach nur nett, man kann mit ihnen reden und manchmal (macht eine Denkpause) einmal hatten wir eine gruselige Stalking-Situation. Das war auf unserer ersten Tour 2010, nein auf unserer zweiten Tour im September. Es war ein weiblicher Fan, den ich jetzt nicht namentlich nennen möchte, aber wir haben uns nach einer Show in Köln getroffen. Wir hatten unsere erste Headline-Show im Underground in Köln vor 400 Leuten oder so. Und dieses Mädchen hat uns an der Bar getroffen, wir haben ein bisschen nach dem Gig abgehangen, gefeiert und so. Sie hat uns angesprochen und es war mehr so: „Hey, können wir ein Foto machen?“. Und dann kam sie immer wieder auf uns zu und es war alles entspannt. Und dann hat die Situation angefangen… (überlegt) Okay, sie gibt nicht auf. Ich gehe also einfach weg, laufe herum und merke, dass sie herumschleicht und mir hinterherläuft und ich gehe zur Toilette, um mich verdammt nochmal zu verstecken und sie kommt mir einfach hinterher. Ich stehe da und bin am pissen und sie versucht mich zu begrabschen und so, also meine ich zu ihr: „Stop, das ist nicht mehr lustig!“ Und dann, als ich wirklich genug habe, meinte ich noch: „Ernsthaft jetzt…“ Nach ungefähr zwei Stunden meine ich dann: „Hey, das ist einfach nicht mehr lustig! Hör auf damit oder ich lass dich rausschmeissen.“ Und ihr Gesichtsausdruck verändert sich von so (lacht) auf so (macht ein wütendes Gesicht), wie eine Transformation und dann fing sie an: „Wer zum Teufel denkst du wer du bist? Ich kenne dich besser als du dich selbst, verstehst du das? Ich liebe dich!“ Komplett verrückt und dann hat sie mich getreten und ich so: „Was zur Hölle?“ Und dann haben sie vier Typen schreiend und tretend rausgetragen. Und das Gruselige war, dass wir am nächsten Tag ein Meet and Greet vor der nächsten Show hatten und sie ist dort aufgetaucht. Und ich dachte nur: „Oh Scheiße, sie schon wieder…“ und dann kommt sie auf mich zu und sagt: „Hi, ich habe euch Muffins gemacht.“ Und ich nur so: Es gibt nichts in dieser Welt, das ich weniger tun würde als diese verdammten Muffins zu essen. Ich will diese Muffins nicht essen. Es gab also solche Leute. Aber die Meisten sind cool, wir sind eine verantwortungsvolle Band.

Wow, das ist gruselig. Ist euch mal etwas gefährliches passiert, als ihr auf Tour gewesen seid?

Es gab eine Menge Das-war-aber-knapp-Situationen. Aber es gab nie ein wirkliches Desaster. Wir werden oft gefragt, was das Verrückteste ist, was uns je auf Tour passiert ist. Und wir alle nur so: „Einmal da sind wir bis fünf Uhr wach geblieben.“ (lacht) Wir sind einmal mit einem Nightliner durch die Alpen gefahren. Wir haben alle geschlafen und da war auf einmal ein merkwürdiges Geräusch im Bus. Und unser Tourmanager, der sehr gut in seinem Job ist, aber die meiste Zeit nur am Lachen und dumme Witze machen ist, kommt rein und sagt: „Alle raus, lasst eure Sachen hier und rennt raus! Sofort!“ Wir haben den Rauch gerochen… wir also noch in Unterwäsche rausgerannt. Und es kam heraus, dass die Bremsen des Busses einfach durchgebrannt sind, während wir gefahren sind, also haben wir angehalten. Das war eine wirklich knappe Sache, aber zum Glück ist nichts passiert. Aber das ist nicht wirklich eine Geschichte, oder?

Es ist irgendwie fast eine Geschichte. (lacht)

Genau, und wir haben eine Menge solcher Situationen.

Was ist der beste Live-Act, den du je gesehen hast?

Bis zu diesem Sommer war es Rammstein. Ich habe die Band das erste Mal 2013 in Finnland gesehen, als wir auf dem gleichen Festival gespielt haben. Und mal ganz unabhängig von der Musik, was auch immer, du kannst nicht da stehen und nicht von der Show weggeblasen sein. Aber die aller zerstörendste, herzzerreißendste und herzerwärmendste Konzerterfahrung, die ich jemals hatte, war diesen Sommer, als ich Paul McCartney in Stockholm gesehen habe. Ich kann das niemandem erklären, der nicht ein mega Fan ist. Es war eine lebensverändernde Erfahrung für mich. Ich bin damit aufgewachsen. Er war der Held meiner Eltern. Und durch sie ist er mein Held geworden, als ich ein Kind war. Er ist wahrscheinlich die größte lebende Legende oder zumindest eine Legende der Musik. 73 Jahre alt und er geht immer noch auf die Bühne, obwohl er nicht einmal mehr touren müsste. Er geht auf die Bühne und spielt zu 90 Prozent Beatles-Songs, 38 verdammte Lieder, drei Stunden, verdammte Scheiße. Und er singt sehr, sehr gut. Ich bin einfach gestorben. Es war mitten in der Aufnahmephase, als wir unser neues Album aufgenommen haben. Wir haben eine viertägige Pause in Schweden gemacht. Ich bin hoch nach Stockholm gefahren und es war sehr gut nach der ganzen Zeit wieder zurückzukommen und mal wieder durchzuatmen. Ich glaube, dass ich ziemlich aufgeladen war mit Spannungen und Emotionen aus der Studiozeit, also war ich so… (hält kurz inne) Ich habe wie ein kleines Mädchen geheult. Noch nicht einmal wie ein „cooler Typ“, sondern einfach ernsthaft in Tränen erstickt. Das war das Beste, was ich jemals gesehen habe!

Noch eine letzte Frage zu Musikfestivals. Wenn ihr euch ein Festival aussuchen könntet, auf dem ihr spielen wollt, welches wäre das? Was wäre dein Traum?

Woodstock. Ernsthaft: Könnt ihr euch vorstellen wie Royal Republic eine Zeitreise machen und auf dem Woodstock spielen? Ich frage mich, wie das die Musikgeschichte verändert hätte… (lacht)

Da spielte Janis Joplin, Jimi Hendrix und dann war da noch Royal Republic!

Das wäre spannend. (lacht)

Nächstes Jahr spielt ihr auf dem Hurricane und dem Southside, wo noch?

Hurricane, Southside, wir spielen das Open Flair, Highfield wurde heute bekannt gegeben, Rokko del Schlakko, und eine Menge mehr.

Ich glaube das war’s. Dankeschön!

Cheerio! Ich danke euch.

IHR WOLLT MEHR ROYAL REPUBLIC Die vier Schweden sind schon dieses Jahr wieder auf Deutschland-Tour. Alle Informationen dazu und noch viel mehr findet ihr hier und hier. Das neue Album Weekend Man gibt’s ab dem 26. Februar.

FOTOS: Luis Penner

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Ressortleiterin Campus, studiert Kunst, Musik und Medien im Bachelor. Liebt Irland und geht unglaublich gern auf Konzerte.