Sneak-Review #155: Willkommen in Marwen

Sneak-Review #155: Willkommen in Marwen

In der Sneak von dieser Woche lief der neue Film von Oscarpreisträger Robert Zemeckis – „Willkommen in Marwen“. Ob es sich lohnt, diese Mischung aus Real- und Animationsfilm anzusehen, erfahrt ihr hier!

Robert Zemeckis‘ Filmographie ist breit aufgestellt. Ihm sind Filmklassiker wie „Zurück in die Zukunft“ oder auch „Forrest Gump“ zu verdanken. Aber leider auch skurrile Ausflüge ins Animationsgenre wie „Der Polarexpress“ oder „Disneys Weihnachtsgeschichte“, die als Paradebeispiele für den Uncanny-Valley-Effekt gelten, kurzum: Filme, die absolut grauenhaft aussehen. In „Willkommen in Marwen“ vermischt Zemeckis nun Real- und Animationsfilm. Ob das gut geht? Doch zunächst einmal, worum geht’s überhaupt?

Nach einer wahren Geschichte

Beruhend auf einer wahren Begebenheit erzählt Zemeckis die Geschichte des amerikanischen Illustrators Mark Hogencamp (Steve Carell). Eines Abends wird er in einer Kneipe von einer Gruppe Neonazis wegen seiner femininen Schuhe angepöbelt. Als er ihnen erwidert, er trage gerne Frauenschuhe, wird er von der Gruppe halbtot geschlagen. Als er aus dem Koma erwacht, sind ein Großteil seiner Erinnerungen an seine Vergangenheit verschwunden.

Schwer traumatisiert flüchtet sich Mark in eine Fantasiewelt. Er kreiert in seinem Garten die Puppenstadt „Marwen“, eine belgische Stadt inmitten des zweiten Weltkriegs. Hier leben eine Handvoll Frauen (die starke Parallelen zu Frauen aus Marks realem Umfeld haben) zusammen mit seinem Alter Ego, dem Offizier Hogie (Steve Carell). Gemeinsam erleben sie Abenteuer und müssen die Stadt vor immer wiederkehrenden Nazis schützen. Zusammen mit der Unterstützung seiner Puppen versucht Mark, sein Leben, das aus Tablettenkonsum und Angstattacken besteht, wieder in den Griff zu bekommen. Denn schon bald steht die Verurteilung der Täter von damals an, bei der Mark anwesend sein soll…

Das Spiel mit der Meta-Ebene

Der Film spielt auf zwei Ebenen: in der Realität und in Marks Puppenwelt. Hier wechseln sich Real- und Animationsfilm ab. Wenn Zemeckis Ausflüge in die Animationsvorhölle für irgendetwas gut waren, dann, dass die Motion-Capture-Technologie inzwischen so ausgereift ist, dass man sie den Zuschauer:innen zumuten kann. Auch wenn die Animationen hin und wieder etwas sonderbar und ungelenk aussehen, ist es dem Film im Großen und Ganzen gelungen, einen eigenwilligen, aber stimmigen Animationsstil zu finden, den es so noch nicht gab.

Fast alles, was man als Zuschauer:in über Mark und seinen Charakter erfährt, erfährt man über den Umweg durch „Marwen“. Durch die Abenteuer, die Hogie in seiner Puppenstadt erlebt, kann man auf Marks Fantasien und Fetische schließen, aber auch seinem Schmerz und seiner Verzweiflung näherkommen. Dieses clevere Meta-Spiel ist ungewöhnlich, funktioniert aber grandios. Das, worüber nicht gesprochen werden kann, zeigt man hier auf einem anderen Weg.

Große Emotionen, schwache Frauenfiguren

In langsamem Erzähltempo lernen wir so Mark und seine Puppenfiguren besser kennen. Gemeinsam machen wir Fortschritte in der Bewältigung seines Traumas, aber auch Rückschritte. Steve Carell spielt die Rolle von Mark Hogencamp sehr authentisch und berührend. Wiedereinmal zeigt er hier, was für ein großartiger Schauspieler er ist, der früher oft fälschlicherweise nur die Ecke des Darstellers lustiger Typen gestellt wurde.

Zemeckis versteht es, große Emotionen hervorzurufen, aber gleitet dabei leider manchmal in eine übermäßige Rührseligkeit ab. Obwohl die Figuren in „Marwen“ eine Vielzahl von Klischees vereinen und die Frauenfiguren eher blasss bleiben, weil sie nur um die Hauptfigur kreisen, ist „Willkommen in Marwen“ ein liebevoller und charmanter Film, dessen Hauptfigur man ganz schnell in sein Herz schließt.

„Willkommen in Marwen “ erscheint am 28. März 2019 in den deutschen Kinos.

Foto: Universal Pictures Entertainment.

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