Sneak-Review #291: Ein Kuchen für Saddam Hussein
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Dienstagabend ist Sneak-Abend. Diese Woche wurde ein Film gezeigt, der bereits bei den Filmfestspielen in Cannes für Aufmerksamkeit gesorgt hat und bei den Oscars in der Kategorie „Bester internationaler Film“ eingereicht wurde. Unser Redakteur hat sich das Regiedebüt von Hasan Hadi angesehen und verrät, ob sich ein Kinobesuch lohnt.
Mit Ein Kuchen für den Präsidenten gelingt Hasan Hadi ein leises, aber eindringliches Filmdrama, das seine Kraft nicht aus großen Gesten, sondern aus präziser Beobachtung und bitterem Humor zieht. In ruhigen Bildern erzählt der Film von Macht, Angst und Anpassung in einem repressiven System.
Alltag im Schatten einer Diktatur
Der Film spielt im Irak der 1990er Jahre unter der Diktatur Saddam Husseins. Das Land leidet unter internationalen Sanktionen und Korruption. In diesem Szenario wird Grundschulkindern anlässlich des Geburtstages Husseins aufgetragen, einen Kuchen für den Präsidenten zu backen, so auch der Hauptfigur Lamia (Baneen Ahmad Nayyef). Ein für Außenstehende harmloses Ritual entpuppt sich als existenzielle Herausforderung: Ihre Familie ist arm, die Zutaten knapp, die Folgen einer unzureichenden Erfüllung der Aufgabe lebensbedrohend.
Ein simpler Kuchen wird zum Symbol für Anpassung und Zwang, für ein System, das die Indoktrinierung der eigenen Bevölkerung über deren Wohl stellt und selbst Kinder in seine Logik der Kontrolle einspannt.
„Pssst, die Wände haben Ohren“
Besonders eindrucksvoll ist die Entscheidung des Regisseurs, die Geschichte konsequent aus Lamias Sicht zu erzählen. Der Film verzichtet auf plakative Grausamkeit oder explizite Gewalt. Stattdessen zeigt er die Diktatur als allgegenwärtiges Hintergrundrauschen: Portraits des Präsidenten in allen öffentlichen Gebäuden, das Militär leitet den Schulunterricht, Zivilist*innen drücken Soldaten wie selbstverständlich Geld in die Hand, das androhende Geräusch von amerikanischen Kampfjets ist regelmäßig am Himmel wahrzunehmen.
Lamia begegnet der absurden Aufgabe mit Ernsthaftigkeit und kindlicher Logik. Sie glaubt an Regeln, an Konsequenzen, an die Notwendigkeit, alles richtig zu machen. In dieser Haltung liegen eine tiefe Tragik und eine stille Anklage gegen ein System, das Unschuld instrumentalisiert.
Zwischen Bitterkeit und leiser Komik
Trotz seines schweren Themas ist Ein Kuchen für den Präsidenten kein durchgehend düsterer Film. Um sich in einem rechtslosen System durchschlagen zu können, haben viele Figuren einen schroffen bis sturen, aber gleichzeitig flexiblen Charakter entwickelt, welcher regelmäßig Erheiterung im Publikum hervorruft. Zudem blitzen immer wieder Momente der Herzlichkeit auf, wenn die Figuren unter sich sind. Besonders in Erinnerung bleibt Lamias Großmutter Bibis (Waheed Thabet Khreibat) Strenge, hinter der sich nur der Wille das Beste für Lamia zu erreichen versteckt.
Auf den Geschmack gekommen
Am Ende bleibt ein stilles, kluges und bemerkenswertes Debüt. Der Film vertraut seinem Publikum, lässt Leerstellen zu und setzt auf Wirkung durch Reduktion. Ein Kuchen für den Präsidenten scheint damit den Geschmack des Publikums getroffen zu haben: Am Ende der Sneak Preview fällen 76 Prozent ein positives Fazit, 46 Prozent geben sogar eine sehr positive Bewertung.
Die irakisch-US-amerikanisch-katarische Produktion läuft seit 5. Februar in den deutschen Kinos.
studiert Mathematik im Master. Aber ansonsten ist er ganz lieb.
Seit WiSe 2024/25 bei PHILIPP. Seit 2026 in der Chefredax. Kommentiert Filme mit mehr Drama als die Filme selbst.

