Hätte Hätte Lahntreppe – Sanierung „Grüner Wehr“

Hätte Hätte Lahntreppe – Sanierung „Grüner Wehr“

Das „Grüner Wehr“ ist eines der fünf Wahrzeichen der Stadt Marburg. Nun soll das bekannteste Fotomotiv unserer Stadt erneuert werden. Aber wie sieht dieses Vorhaben genau aus und warum soll es überhaupt erneuert werden? Wir haben uns schlau gemacht und die wichtigsten Fakten für euch zusammengestellt. 

Einem Gutachten von 2008 zufolge ist das „Grüner Wehr“ in Weidenhausen schon seit mehreren Jahren sanierungsbedürftig. Nun soll es Pläne geben, das Wehr neu aufzubauen. Ein einfacher Abriss ist nicht möglich, aber auch eine einfache Sanierung nicht. Zu den Plänen gehören sowohl eine Fischtreppe, wie auch möglicherweise eine Kanurutsche und ein Aussichtspodest am Trojedamm. Nach der Weidenhäuser-Brücke und der Bahnhofstraße soll also eine dritte Baustelle her. Dass viele Marburger:innen darüber nicht erfreut sind, ist keine Überraschung. 

Wer, wie, was, warum?

Das Gutachten (2008) erklärt, dass das Wehr beschädigt ist und somit Wasser in die Anlage läuft. Das ist nur einer der vielen Probleme, die das „Grüner Wehr“ seit einigen Jahren bereitet. Mehr dazu und warum genau es sanierungsbedürftig ist, findet ihr in diesem Gutachten (als Anhang aufgeführt). 

Ziel des neuen Wehrs soll sowohl der Naturschutz, wie auch die Förderung des Tourismus sein. Im Sinne des Naturschutzes verlangt die EU die Integration einer Fischtreppe. Dies soll der ökologischen Durchlässigkeit dienen. Soweit, so gut. Der Magistrat hat sich aber auch zu Plänen bezüglich einer Kanurutsche und eines ca. 20 Meter langen Aussichtspodests am Trojedamm geäußert. Diese beiden Vorhaben sorgen für Unruhe unter den Marburger:innen. Allein für das Podest sollen mehrere Bäume am Trojedamm gefällt werden. 

Kritik an der Sanierung des Wehrs selbst wurde wenig geäußert. Dass das Wehr baufällig ist, zeigen mehrere Gutachten, vor allem das von 2008. Viele Bürger:innen haben jedoch Gründe gegen den Bau einer Kanurutsche und eines Aussichtspodests. Zum einen besteht die Angst, dass durch die Fällung der Bäume und die Betonierung für das Podest der Lebensraum verschiedener Tierarten (z.B. der des vom Aussterben bedrohten Eisvogels) verloren gehen. Zum anderen ist das Wehr bisher als ruhige und erholsame Zone bekannt. Durch den Bau einer Aussichtsplattform besteht die Sorge, dass sich das Vorhaben in eine Art ,,Lahntreppen 2.0“ entwickelt. Das könnte die Lärmbelästigung, aber auch die Umweltverschmutzung steigern. Diese Ansicht teilen die Anwohner:innen mit CDU-Abgeordneten. Die Stadtverwaltung glaubt jedoch nicht, dass die Plattform mehr „Unruhestifter“ anzieht. Das Wehr sei bereits als Begegnungsort bekannt und somit schlichtweg eine beliebte Gegend.

Wie geht es weiter?

Der Magistrat zeigte bereits mehrmals Dialogbereitschaft und signalisierte, dass die Baupläne noch nicht in Stein gemeißelt seien. Somit gibt es noch die Möglichkeit, diese umzuändern. Zur Information der Bürger:innen fand am 26. Mai ein Workshop zum „Grünen Wehr“ statt. Dieser fand als öffentliche Veranstaltung statt und sollte Marbuger:innen über das Bauvorhaben informieren, sowie Platz für eine Diskussion geben. Die Ergebnisse dieser Diskussion sollen nun in die weiteren Pläne der Sanierung einfließen. Hier wurden vor allem die Kanurutsche und das Aussichtspodest angesprochen. Die Kanurutsche wurde von der Mehrheit als nicht notwendig betrachtet, da es nur wenige Kanufahrer:innen in Marburg gibt. Auch sei der Wasserstand im Sommer zu niedrig für ein solches Vorhaben. Zusätzlich wurden in dem Workshop Alternativen für den Bau eines Betonpodests besprochen. Zum Beispiel wurde über kleinere Podeste oder die Möglichkeit von Holz anstelle von Beton gesprochen. 

Nun sollen die Pläne hierzu nochmal durchgesehen und nach Möglichkeit überarbeitet werden. Auch wurde um ein neues Gutachten gebeten, welches in Auftrag gegeben werden soll. Die alternativen Möglichkeiten sowie die Ergebnisse eines weiteren Gutachtens sollen dann für alle öffentlich gemacht werden. 

Offener Dialog

„Unser aller Ziel ist, dass das „Grüner Wehr“ auch in 100 Jahren steht, denkmalgeschützt und stadtästhetisch so schön wie es heute ist und wir dabei so naturerhaltend wie nur möglich vorgehen“, sagte der Oberbürgermeister zu Beginn des Workshops. Wie der Samstag verlaufen ist und was bei dem Dialog weiter rauskam, findet ihr hier.

Auch nach dem Workshop möchte der Oberbürgermeister einen offenen Dialog mit den Marburger:innen über das „Grüner Wehr“ führen. Die weiteren Pläne und das neue Gutachten sollen mit den Bürger:innen geteilt werden, damit soll es aber nicht beendet sein. Ein weiterer Workshop zum Austausch steht zwar nicht in Sicht, jedoch ist es seit Dienstag, dem 29. Mai, möglich, dem Magistrat Fragen sowie auch Vorschläge per E-Mail unter dieser Adresse zukommen zu lassen: gruenerwehr@marburg-stadt.de. 

Das Projekt soll frühestens im Frühjahr 2020 begonnen werden und wird auf ca. 3,5 Millionen Euro geschätzt, so die Oberhessische Presse. Der Umbau soll bis zu zwei Jahre dauern. Durch den offenen Dialog mit den Bürger:innen und das ausstehende Gutachten kann sich aber an der Planung noch vieles ändern. Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Vorhaben entwickelt und was die weiteren Pläne für die Sanierung des „Grüner Wehr“ beinhalten. 

FOTO: CC Hydro, unverändert

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Studiert "Sprache und Kommunikation" in Marburg und trinkt eindeutig viel zu viel Kaffee.