Sneak-Review #110 – Lady Bird

Sneak-Review #110 – Lady Bird

Älter werden: Die erste Liebe, das letzte Schuljahr, die besten Freunde, das erste Semester. All dies sind Dinge, die die meisten in unserer Gesellschaft durchleben. Sei es in dieser oder einer anderen Reihenfolge, oder alles auf einmal. Auch die Hauptfigur „Lady Bird“ (Saoirse Ronan), ist hiervon nicht ausgeschlossen. Im gleichnamigen Film erzählt Regisseurin Greta Gerwig die Geschichte Lady Birds.

Sacramento, 2002. Nur einige wenige Monate nach 9/11. „Lady Bird“ greift diese Thematik auch auf. Die gleichnamige Hauptfigur wird sowohl in der Schule damit konfrontiert, wie auch zu Hause als sie gleich am Anfang eröffnet, dass sie in New York studieren möchte. Dies treibt nicht nur finanziell einen Keil zwischen sie und ihrer Mutter, letztere ist ebenfalls um die Sicherheit ihrer Tochter besorgt, sollte sie auf der anderen Seite des Landes zur Universität gehen.

„Wrong side of the tracks“

Wie jeder Teenager, erlebt auch Lady Bird schwierige Momente. Sowohl in der Schule wie auch zu Hause. Sie selbst sagt, sie lebe auf „der falschen Seite der Schienen“. Und tatsächlich ist dies keine Metapher. Lady Bird geht auf eine Schule und hat Mitschüler, die, wie Teenanger nuneinmal sind, sie für ihr Zuhause verurteilen könnten und teilweise sogar tun. Dies führt zu Problemen mit ihren Eltern und ihrem Bruder,  obwohl sie immer wieder äußert, dass sie weiß, dass ihre Mutter sie liebt.

Das Gras ist nicht immer grüner.

Während des gesamten Filmes hört man Lady Bird immer wieder sagen, wie sehr sie Sacramento verachtet und wie sehr sie wegziehen möchte. Am liebsten nach New York. Es wird aber deutlich an der Art, wie sie die Stadt sieht und von ihr spricht, dass die Verachtung nicht so groß ist wie anfangs gedacht. Sie sagt, dass sie auf der falschen Seite der Schienen wohnt, weil sie zur für sie „besseren“ Schicht gehören möchte. Auch sagt sie, dass sie nach New York möchte, weil sie glaubt, dort Abenteuer erleben und ein besseres Leben als in Sacramento führen zu können. Doch das Ende, so abrupt wie es auch kommen mag, schließt den Kreis und zeigt, dass das Gras auf der anderen Seite nicht immer grüner ist. Manchmal muss man eben wegtreten, um das zu erkennen.

Fremd aber vertraut

Das Gefühl, dass der Film langsam Anlauf für den hoffentlich bald kommenden Höhepunkt nimmt, lässt bis zum bitteren Ende nicht nach. Es gibt keinen richtigen Höhepunkt. Man könnte fast schon sagen, der Film sei monoton. Für einen Film. Tatsächlich ist „Lady Bird“ aber sehr nah an der Wahrheit gebaut. Es hat keine überraschenden Wendungen, keine beängstigenden Momente. Der Streifen ist echt und die Nacktheit der Realität fesselnd. Möglicherweise ist das der Grund, weshalb der Film gut ankam. Auch die Hauptfigur wird von Saoirse Ronan wunderbar porträtiert, mit all ihren Fehlern und Schwierigkeiten, aber auch ihrer Wärme und Leidenschaft.

Wenn man also ins Kino möchte, um einen Actionfilm oder sogar eine Rom-Com zu sehen, ist man hier definitiv falsch. Wer aber Lust auf ein bisschen Realität hat und dabei die vertrauten Höhen und Tiefen auf eine neue Art erleben möchte, ist mit Lady Bird gut aufgehoben.

„Lady Bird“ kommt am 19.04.2018 in die deutschen Kinos.

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Studiert "Sprache und Kommunikation" in Marburg und trinkt eindeutig viel zu viel Kaffee.