Sneak-Review #146 – Creed II – Rocky’s Legacy

Sneak-Review #146 – Creed II – Rocky’s Legacy

Diese Woche lief in der Sneak-Preview „Creed II – Rocky’s Legacy“ von Steven Caple Jr. Dabei handelt es sich um die Fortsetzung von „Creed“ (2015), einem Spin-Off der Rocky-Filmreihe um den Boxer Rocky Balboa. Ob „Creed II – Rocky’s Legacy“ die Puste ausgeht, oder ob der Film es schafft, dem Genre des Boxfilms neuen Esprit zu verleihen, erfahrt ihr hier.

Adonis Creed (Michael B. Jordan) hat es mit der Hilfe des ehemaligen Champs Rocky Balboa (Sylvester Stallone) zum Boxweltmeister im Schwergewicht gebracht. Auch privat läuft es gut. Er heiratet seine Freundin Bianca (Tessa Thompson) und wird Vater. Doch dann taucht Viktor Drago (Florian Munteanu) auf, der von seinem Vater Ivan (Dolph Lundgren) trainiert wird, und fordert ihn zum Titelkampf heraus. Creed sieht sich gezwungen den Kampf anzunehmen, denn Ivan Drago ist verantwortlich für den Tod seines Vaters, Apollo Creed. Sein Trainer Rocky hat jedoch Bedenken …

Das Handwerk stimmt

Vorneweg: Der Film ist handwerklich gut gemacht. Die Szenen in denen Creed zusammen mit Rocky trainiert, wecken selbst in dem größten Sportmuffel eine gewisse Motivation, selber mal wieder was für seinen Körper zu tun. Die Musikauswahl ist aktuell, vor allem aus der amerikanischen Hip-Hop und R’n’B Szene. Stellenweise wirkt der Film, im positiven Sinne, wie ein gutes Musikvideo. Auch die Szenen, in denen geboxt wird, sind rundum gelungen. Hier haben die Schauspieler und Choreographen stolze Arbeit geleistet, um dem:der Zuschauer:in energiegeladene, harte und doch realistische Kämpfe zu präsentieren.

Ebensfalls positiv hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Sylvester Stallone (72!) und Dolph Lundgren, die auch in „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts“ (1985) mitspielten und damals gegeneinander kämpften. Nun kämpfen ihre Zöglinge den gleichen Kampf. Mit großer Hingabe spielt Stallone (inzwischen zum achten Mal) die Rolle des alt gewordenen Rocky Balboa, einer liebenswerten Figur, die zwischen Altersweisheit und Verbitterung changiert.

Motivation und Fallhöhe fehlen

Das Problem ist folgendes: Die Hauptfigur Adonis Creed ist kein liebenswerter Held. Er ist ein unsympathischer, unreflektierter Proll mit einer arroganten Attitüde à la Conor McGregor. Ein einziges Wort über seine Mutter (oder seinen Vater) bringt ihn dazu, jegliche Kontrolle zu verlieren. Als Zuschauer:in wünscht man ihm förmlich die Tracht Prügel, damit er endlich so etwas wie Demut lernt. Wenn Creed spricht, dann sind es Banalitäten, Blödsinn oder Kitsch.

Hinzu kommt, dass der Figur jegliche Fallhöhe fehlt. Was hat er zu verlieren? Er hat bereits den Titel gewonnen, er kommt aus einer reichen Familie, wird Vater und seine Freundin sieht aus wie Rihanna. Warum er diesen Kampf wirklich kämpfen muss, wird nicht klar. Die Motivation seines Gegners hingegen ist klar nachvollziehbar. Vermutlich ist es nur die gekränkte Eitelkeit, die Creed antreibt. Rocky’s Empfehlung, den Kampf nicht anzunehmen, schlägt er aus – wie naiv von Rocky, anzunehmen, man könne aus der Vergangenheit lernen.

Die eine Chance?

„Creed II“ verkehrt alles, was dem ersten Rocky-Film von 1976 seinen Charme verliehen hat, ins Gegenteil. Rocky war einer von ganz unten aus der Unterschicht: Ein Tagelöhner, ein Außenseiter, für den das Schicksal (oder das Glück) eine einzige Chance parat hielt. Er erkannte sie und hielt an ihr fest. Oder wie es bei „Lose Yourself“ von Eminem heißt: Look, if you had one shot, one opportunity, would you capture it or just let it slip? Mit dieser einen Chance im Gepäck erwachte das Feuer in Rocky und mit eisernem Selbstwillen schaffte er es, seinem Glück ein Stück näher zu kommen. Adonis Creed hingegen hat Unmengen an Chancen und muss trotzdem ständig motiviert werden.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Rocky und Adrien aus dem ersten Rocky-Film war einzigartig. Beide waren sie Außenseiter, kamen im Grunde alleine nicht mit der Komplexität des Lebens zurecht. Doch zusammen schien die Welt plötzlich nicht mehr so grau. Ihre Liebe erscheint, gerade in ihrer Unbeholfenheit und Unvollkommenheit, einzigartig und ehrlich. In „Creed II“ hingegen gibt es nur haufenweise Kalenderspruch-Kitsch. Die Beziehungsprobleme sind nur Pseudo-Probleme. Belangloser und langweiliger könnte eine Liebesgeschichte nicht aussehen.

PS: In der stereotypen Darstellung Russlands und seiner Strippenzieher – alles schmierige Oligarchen! – hat sich, im Vergleich zu Rocky IV, der 1985 in Mitten des Kalten Kriegs veröffentlich wurde, kaum etwas geändert.

„Creed II – Rocky’s Legacy“ erscheint am 24. Januar in den deutschen Kinos.

FOTO: Metro-Goldwyn-Mayer

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