Sneak-Review #165: Der unverhoffte Charme des Geldes

Sneak-Review #165: Der unverhoffte Charme des Geldes

Diese Woche bekamen die Zuschauer:innen in der Sneak den neuen Film des kanadischen Regisseurs Denys Arcand zu sehen, die Crime-Comedy „Der unverhoffte Charme des Geldes“ (OT: La Chute de l’Empire américan). Ob sich eine Investition in diesen Film lohnt, erfahrt ihr hier!

Worum geht’s?

Pierre-Paul (Alexandre Landry) ist einfach zu intelligent und zu liebenswürdig für diese gemeine Welt. Deshalb arbeitet er – obwohl er einen Doktortitel in Philosophie hat – als Paketbote und engagiert sich ehrenamtlich für Obdachlose. Doch dann wird er bei einer seiner Courierrunden Zeuge eines missglückten Raubüberfalls. In einem Anfall von Spontaneität schnappt er sich die Taschen mit Geld.

Jetzt hat er Geld. Zu viel Geld. So viel, dass er überhaupt nicht weiß, was er damit anfangen soll. So knüpft er Kontakt mit dem cleveren Escort-Girl Aspasie (Maripier Morin) und dem frisch aus dem Gefängnis entlassenen Steuerbetrüger Sylvain Bigras (Rémy Girard). Gemeinsam versuchen sie, das Geld steuerfrei irgendwo im Ausland zu parken. Dabei müssen sie ständig auf der Hut sein, denn nicht nur die Mafia, sondern auch die Polizei hat großes Interesse an dem Geld…

Was möchtest du mir erzählen!?

Die erste Szene des Film hat in mir große Hoffnungen geweckt: Pierre-Paul philosophiert über die Intelligenz, seine Intelligenz, die zur Last werden kann, besonders wenn man versucht, moralisch zu handeln. Erfolg und Intelligenz haben nichts miteinander zu tun, siehe Trump. Warum nur ist das Glück immer mit den Dummen und Rücksichtslosen? Erwartet uns hier eine philosophische aber bissige Komödie über die Gesellschaft und wie das Geld sie mehr und mehr verdirbt?

Leider nein. „Der unverhoffte Charme des Geldes“ öffnet bald zahlreiche Erzählstränge, die allesamt nur so vor sich herdümpeln. Der Film kann sich nicht entscheiden, was er erzählen will. Eine fiese Gesellschaftssatire? Eine Liebesgeschichte zwischen Pierre-Paul und Aspasie? Ein Gauner-Coup wie Oceans 11? Ein Sozialdrama über Obdachlose in Kanada? Keiner dieser Erzählstränge wirkt durchdacht und der bissige Humor vom Anfang lässt im Laufe des Films doch sehr nach. Das ist schade, denn die Grundidee des Film gibt doch eigentlich so viel her.

Was möchtest du mir damit sagen!?

Besonders abwegig wirkt die Charakterentwicklung. Pierre-Paul, anfangs noch verschüchtert und rechtschaffen, mutiert plötzlich zum coolen Kriminellen. Und das steinreiche, oberflächliche Escort-Girl hat natürlich doch ein Herz aus Gold und hilft, aufgetakelt im feinen Kleidchen, liebend gerne Obdachlosen (kurz nachdem sie erfahren hat, dass es in Kanada überhaupt Obdachlose gibt).

Außerdem schlägt der Film hin und wieder Töne an, die auf ein rassistisches und rückständiges Weltbild verweisen. Wenn ein Mann Alimente zahlen muss, heißt es „Scheiß Feminismus!“. Studenten sind dumme Faulenzer, die nur demonstrieren, weil sie Bock auf Krawall haben. Und natürlich sind die Mexikaner schuld, dass die Obdachlosen keine Arbeit mehr bekommen. Wollte Denys Arcand mit solchen Szenen rassistische Aussagen dekonstruieren? Vermutlich ja, da die Szenen aber einfach so stehengelassen werden, ohne jede Wertung, bekommt man als Zuschauer:in mehr das Gefühl, als würden diese Aussagen gutgeheißen werden.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, was „Der unverhoffte Charme des Geldes“ sein will und was er aussagen möchte. Geht Steuerhinterziehung also klar, solange man das Herz am rechten Fleck hat? Hm. Zumindest versteckt sich in dieser seltsamen, viel zu langen (129 Minuten!) Komödie mit halbgarer Systemkritik der ein oder andere gute Gag. Aber ob’s das wert ist?

„Der unverhoffte Charme des Geldes“ startet am 1. August in den deutschen Kinos.

FOTO: © Cinémaginaire Inc. / FilmTDA Inc.

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